Leichtathletik: Zwei Seniorensportler laufen dem Alter davon
Die Weltmeister vom Opferberg
Athleten der LG HNF kehren mit fünf WM-Medaillen von der italienischen Adria zurück nach Hausbruch.
Hausbruch. In der Sportarena von Riccione hatten sich eingefunden: Helge Loennroth aus Finnland, Frederico Fischer und Antonio Fonseca aus Brasilien, Giovanni Pertile aus Italien, Laurence Wale aus Südafrika und Klaus Langer aus Hausbruch-Neugraben. Als die Herren geboren wurden, war in Deutschland noch Kaiser Wilhelm an der Macht, und der erste Weltkrieg hatte die Welt in Brand gesetzt. Mehr als 90 Jahre später fanden sich die Herren an der italienischen Adria ein, um im sportlichen Wettstreit ihre Besten zu ermitteln.
Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Senioren sind längst angeschwollen zu einem riesigen Sportevent. Fast 9000 Aktive aus 97 Ländern pilgerten in den italienischen Badeort, Frauen und Männer von 35 Jahren "bis scheintot", wie Margarete Strüven lachend sagt. Die Dame mit schneeweißem Haar, schnellen Beinen und dem Schalk im Nacken wird im nächsten Monat 85 Jahre alt. Sie gehört seit vielen Jahren zu der kleinen, aber bewundernswert erfolgreichen Clique der Seniorensportler der Leichtathletik-Gemeinschaft Hausbruch-Neugraben-Fischbek (LG HNF). Aus Riccione hat Margarete Strüven wieder eine Goldmedaille mit nach Hause gebracht. Bei den über 80- Jährigen gewann sie den Hochsprung mit einem Satz über 88 Zentimeter. Auch Klaus Langer kehrte als Hochsprung-Weltmeister aus Riccione heim. Der 91-Jährige schaffte 1,02 Meter. Im Speerwurf wurde er mit 22,52 Meter Vizeweltmeister und im Kugelstoßen mit 7,60 Meter Dritter. Mit 2,01 Meter im Weitsprung verdiente sich auch Margarete Strüven eine Bronzemedaille.
Was als erstes beeindruckt, wenn man den flotten Alten beim Training begegnet, ist die Fröhlichkeit in ihren Gesichtern und das häufige Lachen. Klaus Langer hat ohne die kleinste Anstrengung ein Bein auf die Umzäunung der Sportanlage am Opferberg gelegt. Auch Margarete Strüven stretcht sich wie an einer Balettstange. Gerhard Windolf, der Dritte im Bunde, musste auf seinen Start bei den Weltmeisterschaften aus gesundheitlichen Gründen verzichten.
Es ist ja nicht so, dass der Sport einem die ewige Jugend verspricht. Vor elf Jahren hatte Klaus Langer einen stillen Herzinfarkt. Vier Bypässe bekam er eingesetzt. Trotzdem ist er fast täglich auf dem Sportplatz. "Der Klaus ist unser Ausstellungsstück", neckt ihn Margarete Strüven. Und fügt hinzu: "Mein Verfallsdatum ist auch längst abgelaufen." Ob man dem Alter nicht doch davonrennen kann? "Doch, das kann man", kommt die Antwort von Klaus Langer ohne Zögern. "Ich halte mich nicht nur mit Leichtathletik fit, ich gehe einmal pro Woche zum Yoga, und im Winter fahre ich die Abfahrten runter. Wenn man den Körper fit hält, ist auch der Kopf viel aktiver."
Der entscheidende Funke ist aber der Ehrgeiz. "Ich siege noch immer gerne", lächelt der 91-Jährige. "Dabei wird es immer schwieriger, Weltmeister zu werden. Als ich vor mehr als 30 Jahren das erste Mal teilnahm, traf ich fast nur auf Konkurrenten aus Europa. Inzwischen sind die Alten in der ganzen Welt aktiv, selbst in meiner Altersklasse sind jedes Mal mehr Teilnehmer dabei." Und Margarete Strüven fügt hinzu: "Einmal habe ich schon einen 100-Jährigen bei den Senioren-Weltmeisterschaften erlebt. Da haben wir doch auch noch eine Zukunft."


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