Leichtathletik: Alter schützt nicht vor Topleistungen
Margarete Strüven: Fit mit 84
Die Sportlerin der LG HNF startet bei den deutschen Meisterschaften in Fulda und will im September zur WM in Italien.
Harburg. Sie ist wieder auf Achse. Margarete Strüven ist in Fulda, startet dort mit Klaus Langer und Gerhard Windolf, ihren Trainings- und Wettkampf-Partner der LG HNF, bei den deutschen Senioren-Meisterschaften der Leichtathleten. Und Margarete Strüven weiß schon jetzt: "Über 100 Meter muss ich mich wieder mit jungen Dingern herumschlagen, die gerade 75 sind. In meiner Altersklasse bin ich die Einzige, die im Sprint startet."
Ihre Altersklasse, das ist W80, also Sportlerinnen, die ihren 80. Geburtstag hinter sich haben. Die Harburgerin, die mit ihrem Mann seit 59 Jahren in einem Einfamilienhaus im Göhlbachtal lebt, ist 84 und misst sich bei allen Meisterschaften mit jüngerer Konkurrenz. "Da macht ein Jahr Unterschied eine Menge aus", erzählt die lebensfrohe Athletin, die dreimal in der Woche auf der Sportanlage am Opferberg anzutreffen ist. Wobei Klaus Langer mit 91 Jahren der Senior ist. "Im vergangenen Jahr war ich noch top", sagt Margarete Strüven, "in diesem Jahr bin ich ein Flop. Da habe ich überhaupt keine Leistung gebracht. Deshalb habe ich es auch nicht verdient, dass Sie über mich schreiben." Selbstkritisch ist sie noch immer. "Aber mein Mann sagt, wenn ich ehrgeiziger wäre, könnte ich noch mehr erreichen." Dabei hat sie 2006, in ihrem Erfolgsjahr, einen neuen Hallenweltrekord im Hochsprung aufgestellt, bei den Hallen-Europameisterschaften in Linz. Da ist sie, natürlich im Scherensprung, 96 Zentimeter hoch gesprungen.
Wenn Margarete Strüven auf ihre realen Höhen, Weiten und Zeiten zu sprechen kommt, ist sie zurückhaltend. "Für eine 50-Jährige muss das doch banal klingen, 96 Zentimeter im Hochsprung. Aber all denen, die das belächeln, kann ich nur wünschen, dass sie in meinem Alter viel Spaß an Bewegung und Wettkämpfen haben."
Ihre Freude am Kugelstoßen und Diskuswerfen, am Weit-, Hochsprung und Laufen hat sich bei den Prüfungen zum Sportabzeichen entwickelt. "Das Goldene Sportabzeichen habe ich 47-mal bekommen", sagt sie. Ehemann Günter macht seit einem Bandscheiben-Vorfall nicht mehr mit. Aber sonntags schwingt sich der 87-Jährige auf sein Rennrad und fährt 30 oder 40 Kilometer.
Zur DM in Fulda und im September zur WM ins italienische Riccione begleitet Günter Strüven seine Frau nicht. "Wir Senioren von der LG HNF sind eine kleine Clique", sagt Margarete Strüven, "und bei diesen Meisterschaften trifft man inzwischen viele gute Bekannte."
Reisen zu internationalen Meisterschaften haben Margarete Strüven schon durch halb Europa und in die USA geführt. Und die Anerkennung für die Leistungen der Wettkämpfer jenseits der 80 hat sie 2006 zu Günter Jauch in die Sendung "Stern TV" geführt. "In Baden-Baden war ich in der Sendung ,Sag die Wahrheit'", sagt die unternehmungslustige Harburgerin, "da musste ich was über Fußball erzählen, obwohl ich davon so viel Ahnung habe wie eine Kuh vom Krawatten binden. Ich musste also die Unwahrheit erzählen, nichts von der Leichtathletik."


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