Kampfsport: Norddeutsche Meisterschaften in Buxtehude
Ganz schön schlagkräftig
Die 15 Jahre alte Ümmügülsüm Kalender durfte mit ihrem Kopftuch starten und belegte einen dritten Platz.
Buxtehude. Da steht sie, ganz auf sich allein konzentriert, in der großen Sporthalle in Buxtehude. Sie ist ganz in Weiß gekleidet, selbst das schwarze Haar ist mit einem weißen Kopftuch bedeckt, das für den Sport fest geknotet ist. Ümmügülsüm Kalender (15) aus Wilhelmsburg, verbeugt sich vor dem Kampfgericht. Dann strafft sich ihr Körper, die geballte rechte Faust schießt nach vorn, die linke kommt blitzschnell hinterher. Kata hart heißt bei den Karatekämpfern diese Disziplin, bei der die blitzschnell und mit aller Kraft ausgeführten Faust- und Fußtechniken gegen einen imaginären Gegner ausgeführt werden müssen.
In die große Halle, auch Heim-Arena der Bundesliga-Handballerinnen, kamen 220 Aktive aus 34 Vereinen und Karateschulen des ganzen Nordens. Zum 20. Mal hatten die Kampfsportler des TSV Buxtehude-Altkloster hier zur norddeutschen Meisterschaft eingeladen. Auf einem langen Tisch waren 120 Pokale für die ersten Drei jedes Wettbewerbs aufgebaut.
Da gab es die Kata-Vorführungen für die Karate- und Taekwondo-Sportler und dazu die Kung Fu-Leute mit ihren oft tänzerisch anmutenden Bewegungen. Für die Zuschauer besonders spektakulär ist die Waffenkata. Junge Sportler in Schwarz gekleidet, in leuchtend Rot oder im traditionellen Weiß, die mit langen Stöcken, mit Schwertern oder Dolchen durch die Luft wirbelten und nicht vorhandene Gegner besiegten.
Es wurde auch richtig gekämpft, im Semikontakt. "Dabei wird zwar mit Hand- und Fußschutz gekämpft, aber die Schläge und Tritte müssen abgestoppt, der Gegner darf nicht K.o. geschlagen werden. Wenn Blut fließt, wird man disqualifiziert", sagte Hartmut Cohrs, Leiter und gemeinsam mit Detlef Detje Organisator der alljährlichen norddeutschen Titelkämpfe. Als am Ende ihrer Darbietung Ümmügülsüm Kalender als Dritte aufs Treppchen kletterte und einen Pokal entgegennahm, machte sie einen Freudensprung. Sie und ihr ein Jahr jüngerer Bruder Abdulkadir gehören der Karate-Abteilung des SV Polizei an, der seit mehr als 40 Jahren einen Ableger auf der Veddel hat. In der großzügig renovierten Sporthalle am Zollhafen, die von der Wohnungsbau-Gesellschaft auch zum Kommunikations-Zentrum fürs Viertel ausgebaut wurde, haben die Kampfsportler ihr Zuhause. "Dabei sind wir stolz darauf, dass unsere knapp 30 Mädchen und Jungen aus fast allen Teilen der Erde kommen und es keine Probleme gibt", so der Mediengestalter Harald Stöhr, der seit 40 Jahren als Judo- und Karatetrainer auf der Veddel im Einsatz ist. Stöhr: "Das ist erfolgreiche Integrationsarbeit an der Basis."
Mit welchen Widrigkeiten sich die Trainer manchmal herumärgern, zeigt sich am Kopftuch seiner Kämpferin. "Wir hatten Wettkämpfe, da durfte Ümmügülsüm deswegen nicht starten", erzählte Stöhr. "Selbst der Verband, die Deutsche Kampfsport Organisation, hat es abgelehnt. Deshalb bin ich den Freunden in Buxtehude für ihre Toleranz dankbar." Aus seiner internationalen Karate-Gemeinschaft war übrigens auch der 16-jährige Alexander Krohn Dritter geworden.


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