Falle: Mit Adressen wird gehandelt
Und plötzlich droht die Inkasso-Firma
Peter Tiedtke soll für Software zahlen, die er nie herunter geladen hat. Der Postbeamte besitzt keinen Computer.
Melbeck. Peter Tiedtke ist sauer und verunsichert. Bereits zum dritten Mal flatterte ihm jetzt die Zahlungsaufforderung eines Inkassounternehmens aus Herford ins Haus: 155,08 Euro. Wofür weiß er nicht, denn der angegebene Auftraggeber ist ihm unbekannt: "Ich habe keine Zahlungen offen und nichts bestellt, das die Forderungen rechtfertigen könnte."
Der angegebene Auftraggeber des "Collector Forderungsmanagement" ist das "Blue Byte FZE Business Center" in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf deren Homepage www.mega-downloads.net können kostenpflichtig Spiele und Programme heruntergeladen werden. Doch Peter Tiedtke hat gar keinen Internetanschluss, der Postbeamte besitzt keinen Computer.
Als der erste Brief im Mai kam, fragte Tiedtke zunächst einen befreundeten Polizisten um Rat. "Der sagte, ich solle die Schreiben einfach ignorieren." Mitte Juni kam dann erneut eine Zahlungsaufforderung des Inkassounternehmens. Und vor einer Woche wieder. "Der Ton ist jetzt auch richtig bedrohlich", sagt Tiedtke.
Mittlerweile hat sich der Melbecker an seine Rechtschutzversicherung gewandt. Ulf Pannhorst, Direktionsgeschäftsstellenleiter der D.A.S. in Norddeutschland mit Sitz in der Region Lüneburg, ist das Inkassounternehmen bekannt. "Vier weitere Kunden mit ähnlichen Schreiben haben bei mir in den vergangenen Wochen angerufen."
Auch bei der Verbraucher-Zentrale Hamburg ist die Internetplattform samt Inkassounternehmen bekannt. "Abofalle" nennt es Edda Castello und erklärt: "Durch interessante Inhalte zu Themen oder Gewinnspielen werden Verbraucher zur Nutzung von bestimmten Internetseiten animiert. Die sind aber nur nach einer Anmeldung möglich. Mit der wird den Verbrauchern dann ein Abo-Vertrag untergejubelt. Erst im Kleingedruckten findet der Nutzer Hinweise auf eine Kostenpflicht. Anschließend ist der Trick, die Leute mit Mahnungen so einzuschüchtern, dass sie zahlen, ohne es zu müssen. Die rechtlichen Begründungen, warum Sie angeblich zahlen sollen, sind allesamt unsinnig."
Niemand solle sich von Inkasso- oder Anwaltsbriefen unter Druck setzen lassen. Wer Geld eintreiben will, muss nachweisen, dass ein Vertrag in vollem Wissen und willentlich abgeschlossen worden ist.
Peter Tiedtke, der sich in seinem Leben noch nie vor einen PC gesetzt hat, lief allerdings in eine andere Falle. "Adressen sind nicht geheim. Es gibt sogar einen schwungvollen Handel. Dann werden die Adressaten auf gut Glück angeschrieben", sagt Edda Castello und rät: "Stur bleiben und die Schreiben ignorieren, denn zurückschreiben bringt meistens nichts."


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