Widerstand: Die Kritiker im Landkreis Stade sind nicht überzeugt
Elbvertiefung - das Nein bleibt
Ein Ausbaggern um nur 50 Zentimeter, wie Hamburg vorschlägt, ändere nichts an Problemen wie der Deichsicherheit.
Jork/Stade. Der Kompromissvorschlag einer "halben Elbvertiefung" stößt am niedersächsischen Elbufer auf Skepsis und Ablehnung. Keine Spur von der erhofften Wirkung, dass einem Großteil des Widerstandes an der Unterelbe die Grundlage entzogen werden könne. "Die Gemeinde Jork bleibt bei ihrer grundsätzlichen Aussage, gegen die Elbvertiefung zu sein", stellt Bürgermeister Rolf Lühmann (CDU) klar. Er vermisse Aussagen zu den Auswirkungen auf die Deichsicherheit, die Verschlickung und die Verschiebung der Brackwasserzone. Lühmann kritisiert den Vorschlag als einen "Schnellschuss". Erst müsse das laufende Planfeststellungsverfahren ordentlich abgearbeitet werden.
Der Umweltberater Walter Feldt, ein früherer Mitarbeiter des niedersächsischen Umweltministeriums, hatte vorgeschlagen, die Elbe nur um einen halben Meter und nicht wie vorgesehen um einen Meter auszubaggern. Diese "Elbvertiefung light" sollte als Kompromissformel für die Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen und CDU in Hamburg dienen. Bei nur einem halben Meter Vertiefung müssten nur wenige Untiefen und Spitzen statt ganzer Teile der Flusssohle weggebaggert werden. Statt mehr als 38 Millionen Kubikmeter Sand müssten so nur etwa ein Viertel abgetragen werden.
Die "halbe Elbvertiefung" würde ein grundsätzliches Problem nicht beseitigen, warnt das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung. Die Elbvertiefung von 1999 habe eine gefährliche Eigendynamik in Gang gesetzt. Die Elbe vertiefe sich selbst, sagt Bündnis-Sprecher Walter Rademacher. Vor einer erneuten Fahrrinnenvertiefung - auch nur um einen halben Meter - müssten zunächst die Schäden der Elbvertiefung von 1999 rückgängig gemacht werden.
Ähnlich sieht das auch der Elbvertiefungsgegner Klaus Wehrt aus Jork: Die Schäden seien bereits eingetreten. Die Vertiefung um einen halben Meter würde die Gefahren ja immer noch erhöhen. "Eine halbe Deichsicherheit gibt es nicht", so der 2. Vorsitzende des Altländer Yachtclubs. Als "Lachnummer" bezeichnet Elbfischer Lothar Buckow aus Jork die "halbe Elbvertiefung". Er gehe davon aus, dass im Wege der Unterhaltungsbaggerungen in der Elbe der Fluss ohnehin still und leise auf einen Meter vertieft werden würde.
Eine Zustimmung des Landes Niedersachsen zur erneuten Elbvertiefung zeichnet sich offenbar nicht ab: In einem Schreiben an den niedersächsischen CDU-Fraktionsvorsitzenden David McAllister, das der Harburger Rundschau vorliegt, betont Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP): Solange die Planfeststellungsbehörden keinen zweifelsfrei nachvollziehbaren Gegenbeweis zu den Gefährdungen der Deichsicherheit antreten könnten, sollte auf einen weiteren Ausbau verzichtet werden. Sander fordert wie McAllister unabhängige Gutachten zu den Auswirkungen der Vertiefung.


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