Appell: Stades Grüne fordern Hamburgs GAL auf, sich nicht auf die Elbvertiefung einzulassen
"Denkt auch an euer Hinterland!"
Eine schwarz-grüne Regierung für Hamburg erscheint möglich. Für den Fall soll die GAL auch bei Versprechungen des Partners standhaft bleiben.
Stade. Streitpunkt Elbvertiefung: Der Grünen-Kreisverband Stade hat den Hamburger Grünen (GAL) kurz vor ihrer Landesmitgliederversammlung am Donnerstagabend ins Gewissen geredet. In einem Schreiben an GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch forderten die Stader Grünen-Sprecher Heike Vollmers und Henning Münnecke die Hamburger Parteifreunde auf, sich bei möglichen Gesprächen über eine Regierungsbeteiligung in keinem Fall auf eine Einverständniserklärung zur Elbvertiefung einzulassen. Auch dann nicht, sollte die CDU mit Ausgleichszahlungen für Deichverbände und Landwirte oder "anderer Ausgleichsmaßnahmen locken."
"Denkt auch an euer Hinterland! Wir saufen gnadenlos ab!", heißt es in dem drastischen Appell der Stader an die Hamburger Grünen. Durch die Verbreiterung und Vertiefung der Elbfahrrinne würde die Gefahr von Deichbrüchen und -überspülungen für die Bevölkerung in unkalkulierbarer Weise weiter ansteigen, mahnen die Stader. Die Befürchtungen in Niedersachsen hatte der Staatsrat der Hamburger Wirtschaftsbehörde, Gunther Bonz, am Mittwoch in einem "Abendblatt"-Interview in knapper Form vom Tisch gefegt: Die Gutachten würden sagen, dass die Deiche sicher seien, erklärte er.
Hat das Wort des Stader Grünen-Kreisverbands überhaupt Gewicht bei der "großen" Hamburger GAL? "Ich denke schon, dass sie sich unseren Appell ein bisschen zu Herzen nehmen", meint Heike Vollmers. Die Grüne aus Buxtehude räumt aber gleichzeitig ein, dass die Zusammenarbeit in der Metropolregion noch stark ausbaufähig sei: "Ich würde mir wünschen, dass die Hamburger Grünen sich intensiver mit uns auseinandersetzen würden." Als Kandidatin bei der Wahl zum Niedersächsischen Landtag gewann Heike Vollmers aus Buxtehude viel beachtete 7,9 Prozent der Erststimmen.
Das erste Regierungsbündnis zwischen CDU und Grünen in einem Bundesland gilt in Hamburg als durchaus möglich. Die CDU könnte es der GAL schmackhaft machen, die Kröte Elbvertiefung zu schlucken: Denkbar sind Modellversuche zur Einheitsschule, Pilot-Projekte zur City-Maut und Verhandlungen mit Vattenfall für ein kleineres Kraftwerk in Moorburg.


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