Kommunalpolitik: Vorstoß vom Lüneburger Oberbürgermeister
Mädges Mammut-Landkreis
Die Kreise Harburg, Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg könnten zur "Region Süderelbe" verschmelzen. Die Nachbarn sind verärgert.
Lüneburg/Winsen. Zoff unter Nachbarn: Mit einem nicht abgesprochenen Vorstoß hat sich Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) bei seinen Kollegen unbeliebt gemacht. In einer Pressemitteilung hatte er am späten Donnerstagnachmittag vorgeschlagen, die Landkreise Lüneburg, Harburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen zu einer "Region Süderelbe" mit Lüneburg als Zentrum zu verschmelzen. Die Landräte erfuhren davon erst über die Medien.
Entsprechend ungehalten reagierte Uelzens Landrat Dr. Theodor Elster: "Gar nichts" halte er von dieser Idee, "viel zu groß" sei das anvisierte Gebiet. Mehr wollte der Parteilose dazu nicht sagen - schließlich habe er von Mädges Ideen noch nichts gehört oder gelesen.
Harburgs Landrat Joachim Bordt (FDP) reagierte am Freitag mit einer Pressemitteilung: "völlig verfehlt". Die Bürger wollten "Dienstleistungen vor Ort abrufen können". Bordt sieht keinen Sinn in einem Mammutlandkreis von Buchholz bis Bad Bodenteich: Politiker seien dann mit den "örtlichen Gegebenheiten überhaupt nicht mehr vertraut" und könnten "gar keinen persönlichen Bezug mehr zu den Menschen vor Ort aufbauen". Die Vorschläge rührten "aus der eigenen Kirchturmperspektive", seien "Vorstellungen von vorgestern, die an den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen ganz und gar vorbeigehen".
Einzig Jürgen Schulz (parteilos) aus Lüchow-Dannenberg sagte: "Na klar darf man offen überlegen." Er hatte sich bereits früher einmal für eine Elbe-Aller-Region ausgesprochen. Schulz ist aber auch vorsichtig: "Wenn es das heimliche Ziel ist, die Region Lüneburg zu stärken, kann das nicht in unserem Interesse sein."
Mädge selbst bezeichnete seine Meinung im Gespräch mit der Harburger Rundschau als "nicht neu, darüber rede ich seit Jahren". Er hatte die Ideen des Braunschweiger Oberbürgermeisters Gert Hoffmann zu einer Neuordnung von Landkreisen zum Anlass für seinen Vorstoß genommen. "Kleinere Kommunen, aber auch schwerfälligere Verwaltungseinheiten" blieben im Wettbewerb um Standortfaktoren, Ressourcen, Unternehmen und Einwohner "leicht auf der Strecke". Deshalb müssten sich Regionen zusammentun. Er erbittet sich, "erst einmal offen überlegen zu dürfen". Ihm seien "mutige und unorthodoxe Denkanstöße weitaus näher als das starre Festhalten an hergebrachten, überholten Strukturen".
Dass die Nachbar-Landräte dagegen sind, sei für ihn "keine Überraschung. Die einen bauen Windmühlen, die anderen Mauern." Er aber denke "an übermorgen: In Richtung Hamburg geht es nicht ohne Einigkeit, wenn wir auf Augenhöhe bleiben wollen." Und: "Bei so einem Prozess muss man versuchen, alle Beteiligten mitzunehmen."
Apropos: Da ist ja auch noch der Lüneburger Landrat Manfred Nahrstedt (SPD). "Wir sollten in aller Ruhe über diese Ideen nachdenken, wenn die Aufgeregtheiten sich gelegt haben. Dann müssen wir auch überlegen, ob zum Beispiel Samtgemeinden noch zeitgemäß sind." Das hat Nahrstedt auf Nachfrage der Harburger Rundschau gesagt. In der Pressemitteilung des Oberbürgermeisters war er nicht zu Wort gekommen.


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