Wohnkultur: Das Gelände "Am Quellenbad" ist auch im Winter belegt
Die unbeugsamen Camper von Jesteburg
Acht Männer und fünf Frauen trotzen auf dem Campingplatz jahrein, jahraus Wind und Wetter. Ein Ehepaar öffnete uns sein Mobilheim.
Jesteburg. Wir befinden uns im Jahre 2007 n. Chr. Es ist Februar, und alle Häuser und Wohnungen in der Metropolregion Hamburg sind von ihren Bewohnern besetzt . . . Alle Häuser und Wohnungen? Nein! Ein von unbeugsamen Campern bevölkerter Campingplatz hört nicht auf, dem Winter Widerstand zu leisten. Und das Leben ist dennoch leicht für die Dauercamper, die in dem Lager "Am Quellenbad" leben . . .
Der frei nach Asterix und Obelix gewählte Einstieg passt tatsächlich in die Nordheidelandschaft: Mitten in Jesteburg, auf dem Campingplatz "Am Quellenbad" leben auch in diesen unwirtlichen Zeiten acht Männer und fünf Frauen. Nicht nur am Wochenende, sondern Tag für Tag und Nacht für Nacht! Sie trotzen Eis, Sturm, Regen und Kälte und haben es sich in ihren Mobilheimen und Wohnwagen gemütlich gemacht: der Ernährungsberater Hans-Jürgen, der Facharbeiter Frank, der Altenpfleger Thomas, der Drucker Jürgen und die Buchhalterin Claudia, der Staplerfahrer Dirk, die Krankenschwester Marion, der Arbeiter Wiesiek und die Putzfrau Bozena, der Arbeiter Piotr und die Putzfrau Agnieszka.
"Wir wollen gar nicht mehr in unsere alte Wohnung zurück", sagt Dauercamper Peter Heinemann (61), der gemeinsam mit Ehefrau Gudrun (60) sein 38 Quadratmeter großes Mobilheim samt sechs Meter Vorbau für die Harburger Rundschau öffnete. Seit zehn Jahren bewohnen die Heinemanns ein 140 Quadratmeter große Grundstück auf dem Campingplatz. Was bringt ein gestandenes Ehepaar im Winter auf einen Campingplatz in der Nordheide?
Peter Heinemann bringt es auf den Punkt: "Ich bin aus Hamburg geflüchtet, weil ich die Schnauze voll hatte von der Großstadt. Hier ist es ruhiger, und die Luft ist besser. Dank unseres zehnjährigen West Highland Terriers ,Filou' bin ich fast den ganzen Tag an der frischen Luft."
Wenn man sich etwas länger mit Peter Heinemann unterhält, wird klar, dass die Wurzeln des Dauercamperdaseins weit zurückreichen. Schon mit elf Jahren fing der gebürtige Horner an zu zelten - besonders gerne in Stove an der Elbe. Später lernte er seine Gudrun kennen, und es ging frühjahrs und sommers mit dem Wohnwagen an den Großensee im Kreis Storman. "Doch als der Großensee eingezäunt und zur Badeanstalt wurde, wurde ich zum Revoluzzer", verrät der Rentner. Er sah es nicht ein, für seinen geliebten See plötzlich Eintritt zu zahlen und mehr als 200 Meter bis zum nächsten Strandabschnitt zu gehen.
Peter Heinemann organisierte Widerstand; allein, es half nichts, und so suchte er mit zehn Campern das Weite. Systematisch analysierte er Dutzende Campingplätze im Umkreis von 150 Kilometern rund und Hamburg - und landete vor 20 Jahren auf dem "Camping am Quellenbad" am Klecker Waldweg in Jesteburg - von Hubert Lewandowski (75) betrieben.
"Dies hier", sagte Peter Heinemann nach 15 Jahren Großensee, "ist der ansprechenste Campingplatz weit und breit" und schlug seinen Wohnwagen auf. Und nach zehn Jahren Wohnwagen in Jesteburg reifte der Entschluss: "Wir bleiben für immer." Also kauften sich Peter und Gudrun Heinemann für 60 000 Mark ein Mobilheim - im Rohbau ist so ein fahrendes Haus heute ab 25 000 Euro zu haben, wobei nach oben keine Grenzen gesetzt sind. 960Euro Jahresmiete zahlen die Heinemanns, dazu kommen 260 Euro Nebenkosten für Kanal, Wasser und Platzservice. Auch Gas (900 Euro) und Strom (550 Euro) kommen extra - "man kann ein Mobilheim oder einen Wohnwagen auch bei minus 20 Grad schön warm halten."
"Ganz früher wollten wir ein Haus haben, heute sind wir froh, dass wir keines haben", sagt der Wohnmobilverkäufer im Vorruhestand. Im mobilen Heim, sagt Peter Heinemann, habe er alles: Kochnische, Wohnzimmer samt Kamin (eingebaut für 3000 Euro), Schlaf- und Arbeitszimmer, Geräteschuppen und Holzpavillon, Warmwasserheizung über Gas und Heizung über Strom. "Und wenn das Wasser 13 Grad warm ist, fängt für mich die Saison im Quellenbad an."
Penny, Schlecker, Aldi, Rewe; Friseure, Ärzte, Apotheke - alles liege "schön praktisch um die Ecke", sagen die Heinemanns. Und wenn Peter Heinemann mal Langeweile haben sollte, fährt er in den Baumarkt. Im Sommer hilft er als Platzwart aus - ein "Fulltime-Job", den er acht Jahre lang inne hatte. Gudrun indes ist für die Campingplatz-Buchhaltung verantwortlich.
In diesem Sommer geht es "in die weite Welt" - die Heinemanns werden mit einem Wohnmobil die neuen Bundesländer bereisen. Und "wenn die Luft am Wochenende mal dick wird in der Hütte", sagt Peter Heinemann, "dann fahre ich Taxi" - in Hamburg.


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