Ideen: "Freunde und Club der Kulturwelten e.V."
"Lüneburg ist mehr als Salz"
Die Stadt muss weg vom "Historische-Altstadt-Image" in der Touristenwerbung - finden vier Studenten und sorgen für kulturelle Alternativen.
Lüneburg. Der Uni-Präsident will es, der Oberbürgermeister will es: Uni Lüneburg und Stadt Lüneburg sollen zusammenwachsen. Beide haben dafür ein Zeichen gesetzt und die Begrüßung der Erstsemester vom Uni-Campus in die Stadtkirche St. Johannis verlegt. Als Symbol für die neue Einheit "Universitätsstadt". Symbole reichen aber nicht, um zwei Welten innerhalb einer Stadt verwachsen zu lassen. Dazu braucht es mehr: Studenten wie Thore, Max, Christian und Axel.
Die haben einen Verein gegründet, der heißt FCKW: Freunde und Club der KulturWelten e.V. "Wir wollen das junge Lüneburg weiterentwickeln", erklärt Thore Debor (30). Er studiert Kulturwissenschaften, lebt seit sechs Jahren in Lüneburg: "Es wird immer mit der historischen Salzstadt um Touristen geworben." Es gebe aber auch ein Lüneburg neben barocken Giebeln und Sülfmeistertagen.
Max Henker (23): "Lüneburg hat 10 000 Studenten. Lüneburg hat den KunstRaum, die Halle für Kunst, Kultur und Veranstaltungen. Das alles wird aber zu wenig wahrgenommen." Max kommt aus Hamburg, ist vor gut drei Jahren fürs Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften nach Lüneburg gezogen. Sein Ziel: Dass nicht nur Leute um die 50 zum Weihnachtsmarkt nach Lüneburg kommen, sondern auch junge Leute - für eine Lesung, ein Konzert oder ein Festival.
Lüneburg könnte das Potsdam Hamburgs werden, glauben die beiden. Gemeinsam mit einem aktiven Haufen anderer studentischer Vereinsmitglieder wollen sie ein Konzept erarbeiten und damit an die Stadt herantreten: "Damit man nicht nur am Bahnhof in der ,Universitätsstadt Lüneburg' begrüßt wird, sondern die Stadt wirklich einerseits Touristen- und andererseits Uni-Stadt ist", sagt Thore Debor. Dass beides möglich ist, davon ist er überzeugt.
Begonnen hat sein Einsatz vor drei Jahren. Da rief der Student das Musik-Festival "lunatic" auf dem Uni-Campus ins Leben. "Damit sind wir jedes Jahr erfolgreicher." Mehr als 2000 Besucher kamen 2006. Das erste Wagnis außerhalb des uni-internen Kosmos lief so gut, dass Thore Debor mutiger wurde. Er rief zu einem neuen Projekt auf: die Gründung eines Vereins als Netzwerk für junge Kultur in Lüneburg - FCKW.
Bei den Stadtfesten 2005 und 2006 richteten die Studis das "Park-Lokal" im Clamartpark ein und boten bewusst Programm und Verpflegung jenseits des Stadtfest-Einheitsbreis an. Das wollen sie auch dieses Jahr wieder.
Trotzdem fehlte lange noch etwas: ein geografisches Herz des Vereins. "Ein Raum in der Stadt, wo sich das Publikum mischt", sagt Thore Debor. Auch den haben die Studenten mittlerweile eingerichtet: die "Hausbar" in der Rotehahnstraße, oben Büro, unten Bar. "Hier kann man auch alleine hinkommen", betont Christian Müller (25). "Die Gäste kommen bei uns leicht ins Gespräch, weil wir so viel Verschiedenes anbieten."
Verdienen tun die angehenden Akademiker mit all ihren Aktivitäten nichts, darum geht es ihnen aber auch nicht: "Lüneburg gibt uns einfach viel", sagt Thore Debor, "wir wollen der Stadt auch etwas zurückgeben." Für die Zukunft der Stadt noch wichtiger: Sie wollen anderen Absolventen Wege aufzeigen, auch nach dem Studium hier bleiben zu können.


Branchenbuch Hamburg
So kommen Sie voran
Das Rätsel des Tages

100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook





