Harburg: Ein 18 Jahre alter Abiturient als Unternehmer
Auf dem Weg zur ersten Million
Tarek Müller aus Heimfeld hat Schule als Nebenjob. Mit einem Internethandel verdient er gut und will jetzt neue Online-Shops gründen.
Harburg. Als 15-Jähriger wollte er nur sein Taschengeld aufbessern. Er hatte gehört, dass man mit PC-Programmierdienstleistung bis zu 500 Euro pro Auftrag kassieren kann, meldete ein Gewerbe an und hatte Erfolg. Inzwischen ist Tarek Müller 18 Jahre, besucht nach wie vor das Harburger Heisenberg-Gymnasium, bereitet sich in der zwölften Klasse auf das Abitur vor und ist - was seine unternehmerischen Aktivitäten anbelangt - durch Handel im Internet bereits auf dem Weg zum Umsatz-Millionär.
Mutter, Ärztin; Vater, Redakteur beim NDR, sind vom unternehmerischen Fleiß ihres Sohnes angetan, sagen aber auch: "Junge, mache dein Abitur". "Das ist auch mein Ziel", sagt Tarek Müller, "aber Schule ist mein Nebenjob, und das Abi werde ich wohl schaffen. Ich habe auch vor, Betriebswirtschaft zu studieren. Da zählen nicht nur gute Schulnoten, da ist auch von Vorteil, dass ich bereits Chef einer eigenen Firma bin." Schule sieht Tarek Müller kritisch: "Keine praxisgerechte Ausbildung."
Sein erster Computer, den Tarek Müller mit 14 bekam, war gewissermaßen sein Startkapital. Als er dann ein Jahr später mit seiner Programmierarbeit anfangen wollte, mussten Mutter und Vater noch den Antrag für den Gewerbeschein unterschreiben, und das Vormundschaftsgericht prüfte die Geschäftsfähigkeit des Minderjährigen. "Jetzt, da ich 18 und volljährig bin, kann ich meine Firma auch in eine GmbH oder AG umwandeln, um aus der Haftung rauszukommen", sagt der Jungunternehmer, dessen Firma NetImpact (Net-Volltreffer) bald mehrere Online-Shops im Internet betreiben wird.
Seinen Anfang dieses Jahres gestarteten Online-Shop "Shisha-Basar" hat er im Umsatz von 7000 auf etwa 30 000 Euro pro Monat steigern können. Das Geschäft befasst sich mit dem Versand von Wasserpfeifen, Tabak und Zubehör. Kommendes Jahr will er den Großhandel und weitere Online-Shops - unter anderem für Spiele - starten, weswegen er die Umsatzmarke von einer Million Euro vor Augen hat. Wie macht der junge Mann das? "Na ja", sagt er, "ich kenne mich eben mit dem Internet und den Suchmaschinen aus. Da ist es wichtig, beim Suchbegriff ,Shisha' oder ,Wasserpfeife' ganz vorn dabei zu sein und nicht auf einer der hinteren Seiten, die nicht mehr aufgerufen wird."
Mit sogenannter Suchmaschinenoptimierung (SEO) hatte der Schüler seine ersten Tausender verdient, hatte preiswerte Internetseiten gekauft, aufbereitet, durch höhere Anklickraten (Steigerung von 700 auf 11 000 pro Tag) für Werbekunden interessant gemacht und teurer weiterverkauft. So schuf er sich die finanzielle Basis für seinen ersten Online-Shop. Die Firma befindet sich an der Heimfelder Straße 29a. In den Räumen war früher mal ein Laden. Nun packen dort vier Mitarbeiter/Praktikanten - Florian Bechert (20), Felix Negwer (17), Sven Mense (19) und Dennis Winands (19) - täglich etwa 20 Pakete, kümmern sich um Warenbestellung, Lagerung und Versand. Weil der Platz nicht mehr ausreicht, hat Tarek Müller 400 Quadratmeter Lagerraum an der Reinholdstraße im Phoenix-Viertel gemietet. Mit 1,95 Meter Körpergröße bringt Tarek Müller gute Voraussetzungen für seine Lieblingssportarten Basketball und Volleyball mit. An Wochenenden macht er gelegentlich Party, hört gern Musik und pafft dazu mit Freunden auch selbst Wasserpfeife. Noch hat er keinen Führerschein und träumt auch noch nicht von einer Chef-Limousine oder einem Sportwagen. Sechs Stunden Büro nach der Schule sind für den Jungunternehmer nicht selten. "Ich habe bis jetzt auch die Steuererklärung selbst gemacht", sagt er.


Branchenbuch Hamburg
So kommen Sie voran
Das Rätsel des Tages

100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook





