Neue Ansichten von Harburg
Rundgang: Stadtplanerin Birgit Caumanns führt Besucher. Blitzschnell ausgebucht sind die Führungen mit Bootstour durch das Harburger Hafengebiet. Selbst alte Harburger staunen, was es alles zu sehen gibt.
Harburg. "Da fährt man nun jahrzehntelang an die Alster und an die Elbe nach Finkenwerder, und vor der eigenen Haustür hat man so ein tolles Gebiet." Die Marmstorferin Ilse Alsema (65) ist begeistert. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Dirk (66) und einer Gruppe von 15 Personen sitzt sie auf der "Togo" und schippert durch die ruhigen Gewässer des Harburger Binnenhafens. Sie hat das Gebiet als "stinkig und sehr laut" in Erinnerung. "Als Kind war das Durchqueren des Binnenhafens absolut tabu für uns. Umso mehr freue ich mich, dass ich mich jetzt hier in Ruhe umschauen darf."
Die kleine Bootsfahrt mit der nostalgischen "Togo", die dem Harburger Verein Jugend in Arbeit gehört, ist Teil einer kombinierten Tour, der ein geführter Rundgang durch das Hafengebiet zwischen Harburger Schlossstraße und Channel Harburg vorausgeht. Initiatorin ist die freiberufliche Stadtplanerin Diplom-Ingenieurin Birgit Caumanns. Ihr Büro liegt am Kanalplatz 6, mitten im Herzen des Harburger Binnenhafens. Hier entstehen auch ihre Ideen für die rund zweistündigen Touren durch das Gebiet, das derzeit für Architekten und Planer von höchstem Interesse ist. Aber auch die Harburger entdecken ihren Hafen wieder neu, wobei "ich bei meinen Führungen den Schwerpunkt auf die Architektur und die Stadtentwicklung lege", sagt Birgit Caumanns, "mit konzentriertem Blick auf die kontrastreiche Mischung aus neuer Architektur und historischer Bebauung."
Kaum ist sie angekündigt, ist jede Tour von Birgit Caumanns auch schon bis zum letzten Platz ausgebucht. "Ich hätte noch Anmeldungen annehmen können, so groß ist das Interesse. Doch die ,Togo' hat begrenzte Sitzplätze, und so muss sie auf die nächsten Touren vertrösten."
Der Rundgang führt die Teilnehmer vorbei an den restaurierten Fachwerkhäusern in der Harburger Schlossstraße. Sie erfahren, dass das früher ehrwürdige Stadthäuser waren und die Urkunden für die Grundsteinlegung in den sogenannten "Schatullen", den metallenen Kugeln auf den Dächern, verstaut wurden, weil die Häuser selbst auf Pfählen stehen. Weiter geht es vorbei an den Hightech-Gebäuden im Channel Harburg. Am historischen Palm-Speicher macht die Gruppe halt und bewundert die Backsteinfassaden, die im vorderen Bereich erneuert, im hinteren jedoch original erhalten geblieben ist.
Am Westlichen Bahnhofskanal halten sich die Binnenhafen-Spaziergänger etwas länger auf. Einige von ihnen erzählen mit Blick auf den Channel Tower von ihren Kindheitserinnerungen, als es am Karnapp noch einen sehr guten Bäcker gab und noch Schnaps gebrannt wurde. Fasziniert betrachten die Teilnehmer die historische Gebäudereihe, in denen heute Gastronomie, Büro- und Wohnungen untergebracht sind. Und auch das denkmalgeschützte Fleethaus findet ihre Aufmerksamkeit. Seine Fassade soll weitestgehend erhalten bleiben, wenn es zu einem Park- und Geschäftshaus umgebaut wird.
Am Lotsekanal wartet mittlerweile schon die "Togo" auf ihre Passagiere. Reimer Stollberg hält das Ruder, hilft mit seinem Matrosen Heiko Schirmer beim Einsteigen. Rauch steigt aus dem Schiffsschornstein, und langsam tuckert die "Togo" zur "Hafentour um die Schlossinsel" los. Einmal um die Insel herum, und dann geht die Tour wieder zurück. Die Fahrt erreicht ihren Höhepunkt, wenn sich die Lotsebrücke hebt, und die "Togo" freie Fahrt in den Ziegelwiesenkanal hat. Dann klappt auch noch die kleine Brücke hoch und ermöglicht einen Abstecher in den sogenannten Holzhafen. Das Thema Hafen früher und heute ist immer noch Gesprächsthema, als die "Togo" wieder am Kanalplatz festmacht.
Die vielen Eindrücke und Informationen, die die Teilnehmer hier gewonnen haben, nehmen sie mit nach Hause. Nach Harburg sowieso, nach Neugraben, Seevetal und Rosengarten. Und weil auch eine Teilnehmerin aus Hamburg kam, werden sich die Schönheiten des südlichsten Stadtteils auch schnell über die Elbe hinweg verbreiten. Der nächste Spaziergang mit Bootstour (8 Euro) ist für den 25. Oktober geplant. Kontakt: info@BCaumanns.de.


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