Heute wird der Strom gesperrt
Aushang: Mieter am Wilhelm-Leuschner-Ring sind schockiert. Weil der neue Investor nicht bezahlt hat, will die E.on Avacon AG ihre Leistungen einstellen. Dabei haben die Mieter ihre Nebenkosten beglichen.
Lüneburg. Andreas Schmiederer fiel aus allen Wolken, als er am vergangenen Mittwoch den Aushang im Hausflur las: "Sehr geehrter Mieter, da unser Vertragspartner seinen Verpflichtungen aus dem bestehenden Energieliefervertrag in Ihrem Objekt nicht nachgekommen ist, werden wir ab dem 1. August die Stromlieferung gemäß Ý 33 AVBStrom V einstellen. Wir bitten um Kenntnisnahme und Beachtung. Mit freundlichen Grüßen E.on Avacon AG."
Er und die anderen Mieter des Wohnblocks an der Wilhelm-Leuschner-Straße 30 bis 48 hatten geglaubt, dass nun mit dem neuen Investor alles anders und vor allem besser würde. Doch nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen. "Im April wurde unser Wohnblock von der Berliner Capricornus Investment GmbH gekauft, da der Vorbesitzer zahlungsunfähig geworden war", so Andreas Schmiederer. Schon beim Vorvermieter habe es immer Probleme gegeben, und die seien bis heute auch geblieben.
Der 47-jährige Witwer lebt mit seinen zwei Kindern in einer Dreizimmerwohnung im Parterre von Haus Nummer 40. Funktionierende Klingeln suchen Besucher vergeblich. "Wenn Sie Glück haben, dann gibt es noch Außenbeleuchtung, ansonsten stehen sie abends im stockdunklen Hausflur und stolpern womöglich über Müll", so Schmiederer ärgerlich.
Doch das seien längst nicht alle Mängel. "Die Mülltonnen schließen nicht mehr richtig, einige Biotonnen haben Risse im Boden, es stinkt, und nicht nur das: Jetzt haben wir auch noch Ratten im Haus. Die Fahrstühle sind häufig defekt, die Haustür lässt sich nicht mehr abschließen. Jeder kann rein. Die Büsche am Haus wachsen mittlerweile in die Fenster."
Klar, es gebe einen Hausmeister, doch der lasse sich nur selten blicken. Und was der tut? Na ja, wohl nicht viel. Der kräftige Mann zuckt hilflos mit den Schultern. "Unverschämterweise wird von uns allen jährlich ein Pauschalbetrag von ungefähr 100 Euro für Gartenarbeiten verlangt, doch einen Gärtner haben wir hier noch nie gesehen, der macht sich rar - genauso wie der Hausmeister."
Und was sagt die Capricornus GmbH zu den Vorwürfen? Hans-Jörg Vengels, zuständig für die Mieterbetreuung: "Wir stehen im engen Kontakt zur Lüneburger BauBeCon, die in Kaltenmoor von der Stadt Lüneburg als Sanierungsträger eingesetzt wurde. Wir haben erste Sanierungsschritte vereinbart und sind dabei, diese abzuarbeiten." Dazu, warum, die E.on den Strom nun abstellen will, will sich Vengels nicht äußern. "Da sollten Sie mal beim Unternehmen fragen, was das soll. Wir haben bereits ein Fax dazu an die E.on geschickt und noch keine Rückmeldung erhalten."
E.on-Sprecher Ralph Montag in Helmstedt bestätigte die Ankündigung, den Strom zum 1. August abzustellen, wies aber darauf hin, dass sich diese Maßnahme nur auf den sogenannten Allgemeinstrom, also beispielsweise auf die Beleuchtung in den Treppenhäusern und für den Fahrstuhlbetrieb, beschränken würde. Die Mieter hätten in ihren Wohnungen selbstverständlich auch weiterhin Strom. Den Eingang eines Fax von der Capricornus konnte er nicht bestätigen.
Ein Ende der Unstimmigkeiten zwischen dem Stromlieferanten und der Carpicornus scheint nicht in Sicht. Warum die Kontroverse auf den Rücken der Mieter ausgetragen werden muss, konnte keine der Parteien beantworten.


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