Valerie hat ihren Traumjob gefunden
Bootsbauerin: Harte Arbeit auf der Knief-Werft schreckte sie nicht
Harburg. Wenn sich Frauen für einen typischen Männerberuf entscheiden, ist das heute eigentlich nichts Ungewöhnliches mehr. Doch wenn ein junges Mädchen so kräftig mit anpackt wie Valerie Globke (21), dann fällt das schon auf. Valerie lernt Bootsbauerin bei der Harburger Werft von Peter Knief im Hafenbezirk 28. Was für sie bei Aufräumarbeiten selbstverständlich war, ließ Beobachter staunen: Nach dem verheerenden Tornado half sie mit, Boote von der zerstörten Lagerhalle der Vereinigung Harburger Segler vom Gelände zu schaffen und auf die Knief-Werft zu ziehen.
Valerie erlernt ihren Traumberuf, doch "es war gar nicht so einfach, einen Ausbildungsplatz zur Bootsbauerin zu finden", sagt sie. Was ihre Liebe zu diesem Beruf entfachte? "Mit 13 segelte ich auf einem alten Hai-Kutter im Flensburger Museumshafen. Da packte es mich." Alle Bemühungen setzte sie daran, ihr Ziel zu erreichen. Doch der Weg führte sie nicht direkt zur Harburger Werft. Als es nach der Schule nicht gleich mit dem Ausbildungsplatz klappte, entschied sie sich vorerst für eine Alternative. Doch die Lehre zur Industriemechanikerin beendete sie nach einem halben Jahr. Zu groß war ihr Wunsch nach einem Beruf in maritimer Atmosphäre. Verstärkt durch ein Praktikum bei einem Tischler, der - wie konnte es anders sein - rein zufällig ein altes Holzboot zu restaurieren hatte. Endlich überredete sie Werftbesitzer Peter Knief, und seitdem "weiß ich ganz sicher, daß man nie aufgeben sollte, wenn man etwas erreichen möchte." Ihre Hartnäckigkeit imponierte Peter Knief: "Daß sie einfach nicht aufgab, war für mich wirklich ein gutes Zeichen", sagte er. Nun ist Valerie bereits im zweiten Lehrjahr. Sie ist eine von zur Zeit insgesamt 21 Bootsbau-Azubis in ganz Hamburg. Und sie ist die fünfte Frau, die Peter Knief ausbildet.
Valeries Arbeitstag beginnt um 7 Uhr morgens. Mit dem Fahrrad fährt sie von Wilhelmsburg in den Hafenbezirk, wo die Werft von Peter Knief am Fuße der Alten Süderelbbrücke liegt. Werft-Hund Felix ist immer der erste, der sie begrüßt. Die Halle ist belegt mit Booten. Die nächsten, vom Tornado beschädigten, liegen draußen in der Warteschleife. Valerie arbeitet zügig mit ihren Kollegen. Geschickt hantiert sie beim Schleifen mit dem Spezialwerkzeug, gibt dem Boot danach den schützenden Anstrich und bessert bei einem anderen die "Wasserpässe" aus. "Das, was ganz wichtig für mich war, ist das Entwickeln von Gespür und Gefühl für die verschiedenen Materialien", sagt sie.
Ölspuren im Gesicht und an den Händen stören sie nicht. "Das gehört zum Job", sagt sie. Nach Feierabend, wenn sie wieder zurück in Wilhelmsburg ist, wartet Kater "Goe" auf sie. Und Freund Giacomo, auch Bootsbauer. Irgendwann möchte sie ein eigenes Boot bauen. "Am liebsten einen Schärenkreuzer", sagt sie, und wieder bemerkt man ihn, ihren festen Willen.


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