Grüne: Vorwurf der Panikmache nicht mehr haltbar
Elbmarsch: Fernseh-Dokumentation bringt Bewegung in Leukämie-Debatte
Winsen/Marschach. t
Der Erste Kreisrat des Landkreises Harburg, Joachim Bordt, fordert neue Untersuchungen "mit neuen Fragestellungen" zum Thema Leukämie in der Elbmarsch. Bordt bezieht sich damit auf eine am Sonntag abend ausgestrahlte ZDF-Dokumentation "Und keiner weiß warum", in der Analysen der Sacharow Universität Minsk in Weißrußland präsentiert wurden, die bei Bodenproben in der Nähe des Kernkraftwerks Krümmel und der atomaren Forschungsanlage GKSS erhöhte Plutonium- und Thoriumwerte aufgewiesen hätten.
Bordt: "Die untersuchten Proben in Form von Kügelchen beinhalten den Analysen des Minsker Instituts zufolge radioaktive Stoffe, die künstlich hergestellt sind und laut Expertenmeinung auch für die erhöhte Leukämierate ursächlich verantwortlich sein können." Das müsse ernst genommen werden, so der Kreisrat.
Seit Jahren fordern die Grünen im Kreistag und auch der Elbmarscher SPD-Kreistagsabgeordnete Claus Eckermann den Landkreis auf, in dieser Sache aktiv zu werden. "Wir freuen uns natürlich, daß der Landkreis jetzt endlich nach all den Jahren auf unserer Seite ist. Im letzten Sozialausschuß ist der Antrag von Erhard Schäfer zum besseren Schutz der Elbmarsch-Bewohner abgebügelt worden. Immer wieder warf man uns Panikmache vor. Aber was dort in der Dokumentation zusammengetragen worden war, ist mit Sicherheit nicht neu. Das sind alles Informationen gewesen, die uns schon lange vorlagen, bis auf die Tatsache, daß es jetzt noch einmal eine Untersuchung, deren Ergebnis uns auch schon vorlag, von einem Institut in Minsk gibt. Das Ergebnis ist dasselbe."
Im Kreishaus jedenfalls wird von "Aussagen in der Dokumentation" gesprochen, "die in der Vergangenheit in der Form nicht getroffen wurden". Bordt: "Wir werden das Land Schleswig-Holstein und das Land Niedersachsen, aber auch die Verantwortlichen in Berlin auffordern, in einer wissenschaftlichen Untersuchung gezielt zu prüfen, ob die laut ZDF gefundenen Substanzen wie Thorium und Plutonium die Ursache für die Blutkrebs-Erkrankungen in der Elbmarsch sind."
Diese Frage könnte Claus Eckermann schon seit vielen Jahren mit Ja beantworten. "Ich fordere schon seit langem die Umkehr der Beweispflicht. Nicht mehr wir sollten den Beweis dafür führen müssen, daß genau das die Ursache für die Krebserkrankungen hier in der Elbmarsch sind, sondern die Gegenseite müßte mal beweisen, das dies nicht der Fall ist." Wie berichtet wurde erst in der jüngsten Kreistagssitzung sein Antrag auf mehr Informationen der Bürger in der Elbmarsch mehrheitlich abgelehnt, weil es noch nicht genügend Informationen gebe, hieß es. Eckermann: "Die Menschen hier fühlen sich einfach machtlos und würden sich wirklich mehr Unterstützung vom Landkreis wünschen."


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