Wischhafen - das Ende der Ewer Werft
Insolvenz: Dienstag wird alles versteigert. Kunden mit schlechter Zahlungsmoral haben dem 2002 so hoffnungsvoll gestarteten Betrieb das Wasser abgegraben.
Wischhafen. Aus für den Bootsbaustandort Wischhafen - die im Mai 2002 gegründete Ewer Werft ist pleite. Das im Dezember 2004 eingeleitete Insolvenzverfahren konnte die Wende nicht mehr herbeiführen. Auf eine halbe Million Euro Verbindlichkeiten beziffert der ehemalige Betriebsleiter Karl-Heinz "Kuddel" Söhl (47) die Verbindlichkeiten. "Gauner", so sagt er, hätten das Unternehmen in die roten Zahlen getrieben. Gemeint sind Auftraggeber, die ihre Rechnungen einfach nicht bezahlt haben. Das Inventar der Werft, von den Slippanlagen bis zur Bohrmaschine, wird am Dienstag, 30 August, ab 10 Uhr bei einer Auktion auf dem Gelände des Fruchthandels von Kroge & Co. in Guderhandviertel im Alten Land versteigert.
Wie ein Mahnmal steht das 40 Jahre alte Butterfahrtsschiff "Gloria II" noch immer in der größten Slippanlage. Der 57 Meter lange Dampfer gilt als ein Hauptgrund für den Niedergang der Werft. Einen 250 000 Euro-Auftrag hätten die Eigner versprochen, sagt "Kuddel" Söhl. Eigner, die schwer zu fassen seien, die sich hinter Briefkastenfirmen verstecken würden. Und die offenbar nur einen preisgünstigen Liegeplatz für den alten Pott suchten, der ohne Überholungsarbeiten längst nicht mehr auf deutschen Gewässern fahren darf. Was aus dem Schiff wird, ist immer noch offen. Fakt ist: Zwei Jahre blockierte die "Gloria II" kostbaren Werftplatz, so daß Aufträge verloren- gingen.
Zahlungsrückstände der Kunden in Höhe von insgesamt 260 000 Euro hätten die Werft zusätzlich belastet. Ob der Insolvenzverwalter, der Hamburger Rechtsanwalt Jörn Weitzmann, das Geld je hereinholen kann, weiß "Kuddel" Söhl nicht. Noch heute liegen Boote im Schlamm der Wischhafener Süderelbe. Wie zum Beispiel eine Yacht, die von ihren Besitzern aus Bayern einfach nicht abgeholt - und nicht bezahlt wurde. Zusätzlich zur schlechten Zahlungsmoral der Kunden, für "Kuddel" Söhl schlicht Betrug, kamen gesetzliche Auflagen für neue Schiffswaschanlagen hinzu, die noch einmal mit mindestens 180 000 Euro zu Buche geschlagen hätten. Eine Kette von Ereignissen - zuviel für das junge Unternehmen.
Zuviel Belastung auch für jede andere Werft, glaubt Söhl. Mit dem Aus für die Ewer Werft scheint die 165jährige Tradition im Schiffsbau in Wischhafen besiegelt. Die Bootseigner, die ihre Rechnungen nicht bezahlt haben, da ist sich der ehemalige Werftleiter sicher, würden sich selber schaden. "Die kleinen Werften schließen die Tore, und irgendwann haben die Leute keine Werft mehr, wo sie hingehen können, weil die Großen sie nicht nehmen." Das Konzept der Ewer werft sah vor, sich um die kleineren Schiffe zu kümmern, die bei den großen Werften nicht gefragt sind.
Wehmütig schaut "Kuddel" Söhl über das verlassen daliegende, ein Hektar große Werftgelände. Bis zu 24 Beschäftigte inklusive Aushilfen standen in Wischhafen in Lohn und Brot. Insgesamt 138 Schiffe wurden dort seit 2002 repariert. Besonders stolz ist der gelernte Boots- und Schiffsbauer auf die zwei Neubauten: eine Rhein-Fähre und ein Elb-Fischerboot.
Ganz verschwinden wird der Bootsbau aus Wischhafen doch nicht: "Kuddel" Söhl plant schon die Nachnutzung des Werftgeländes. Sein Konzept sieht die Umgestaltung in ein Freizeitgelände mit Ferienwohnungen, Angelfahrten, Räucherei, Gastronomie - und eben Bootsbau im kleinen Stil vor. So will der "Schiffsbauer mit Leib und Seele" den beiden verbliebenen Auszubildenden der Werft, Andre Peitzker und Tim Köster (beide 19), die Möglichkeit eröffnen, ihre Lehre zum Schiffs- und Bootsbauer zu Ende zu bringen. Aufgeben kommt für "Kuddel" Söhl nicht in Frage.


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