Stade: Wohnungen für 5000 Euro
Zwangsversteigerungen im Altländer Viertel.
Stade. Eigentumswohnungen zum Schleuderpreis - wo gibt's denn so was? In Saal 10 des Amtsgerichts Stade, wenn Zwangsversteigerungen angesetzt sind. 58 Quadratmeter für 5000 Euro beispielsweise. Verkehrswert der Wohnung laut amtlichem Gutachter: das Doppelte. Mit den Hypotheken hat sich ein Ehepaar aus Süddeutschland bei einer Berliner Bank mit fast 60 000 Euro verschuldet. Die Mieteinnahmen, die ihnen vor 15 Jahren ein Makler versprochen hatte, waren illusorisch. Seit einem Jahr ist die Wohnung beschlagnahmt.
Trotz der Spottpreise finden die Schnäppchen keinen reißenden Absatz. Der Rechtspfleger, der die Versteigerung leitet, kann nur Mindestgebote notieren. Denn die vier leerstehenden Wohnungen, die er aufruft, liegen im Altländer Viertel. Und dessen Ruf ist, ungeachtet eines seit Jahren laufenden Sanierungsprogramms, nach wie vor mies.
Rund 220 Euro Kaltmiete kann ein Eigentümer für eine Wohnung verlangen. In nicht einmal zwei Jahren hätte sich der Anschaffungspreis amortisiert. Wenn man einen Mieter fände. Der Firmenchef aus Hollern-Twielenfleth, der 6000 Euro für eine Wohnung bietet, hat bereits einen: Seinen Angestellten, der bisher aus Hamburg zur Arbeit pendelt. Die Bank will 7000 Euro, also wird der Zuschlag noch nicht erteilt.
Ein Makler aus Neu Wulmstorf, der seinen Namen auf keinen Fall in der Zeitung lesen möchte, bietet für zwei Wohnungen. "Dafür kriegt man in Hamburg gerade mal drei Quadratmeter", schwärmt er von den Tiefstpreisen. Er ist Stammgast bei den Versteigerungsterminen für Objekte aus dem Altländer Viertel. Was er mit den Wohnungen anfängt, ob er bereits Abnehmer dafür hat, will er nicht sagen.
Seit 1986, seit die ursprünglich von der Neuen Heimat gebauten Wohnblocks auf dem freien Markt gehandelt werden, sind sie Beute von Spekulanten. Manche Verwaltungsgesellschaft ging nicht nur in Konkurs, die Geschäftsführer mußten sich auch wegen Betruges vor Gericht verantworten. Ende 2002 wurden über 300 Wohnungen an einem Hamburger Makler verkauft. Fast die Hälfte wurde ein Jahr später abgerissen, nachdem die Stadt sie für einen symbolischen Euro gekauft hatte.
Vor dem Amtsgericht werden immer noch die Überreste früherer Spekulationsgeschäfte verscherbelt, das nächste Mal im Oktober.


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