Königsmoor - ein Platz für Alpakas
Tierfreund: Hobby-Züchter Ingo Meyer-Jungclaussen liebt die kleinen, höckerlosen Kamele.
Königsmoor. Laurin ist erst zwei Jahre alt und schon ein Champion. Seine Vita liest sich beachtlich: Zams (Österreich) 2003: 1. Platz Schönheit; Kempten 2003: 1. Platz Schönheit; Gallinchen 2003: 2. Platz Schönheit. Und jetzt noch der 1. Preis Schönheit im bayerischen Dasing.
Laurin ist ein schwarzer Alpaka-Hengst und lebt auf einer Wiese in Königsmoor, ganz am Rande des Landkreises Harburg. Seinen letzten Titel hat er auf den Europäischen Lama- und Alpakatagen gewonnen. Dazu kamen noch ein dritter Platz für seine Wolle - die lag in einem Karton - und der dritte Platz im Hinderniswettbewerb.
"Laurin hat einen vorzüglichen Körperbau, er hat korrekte Zähne, seine Wolle ist von guter Qualität, und er ist vom Wesen her sehr umgänglich", sagen seine Besitzer, Martina Wiede (39) und Ingo Meyer-Jungclaussen (41).
Das Paar aus Königsmoor steht voll auf Alpakas. Zehn dieser höckerlosen Kamele, in braun, grau, weiß und schwarz, grasen auf ihrem Beritt: vier Hengste, zwei Wallache, drei Stuten und ein Fohlen. Stuten und Hengste leben voneinander getrennt. Dazu kommt noch ein Lama.
Alpakas gehören wie Lamas zur Familie der Neuweltkameliden - das sind die höckerlosen Kamele der Neuen Welt Südamerika. Neuweltkameliden haben mit den Altweltkameliden (Trampeltiere und Dromedare) gemeinsame Vorfahren, die vor etwa 40 Millionen Jahren in Nordamerika lebten. Von dort wanderten die Ahnen der Altweltkameliden über die Landbrücke im Bereich der Beringsee nach Asien. Ein anderer Teil wanderte nach Südamerika aus und entwickelte sich dort zu den Neuweltkameliden. Lamas sind mit 100 bis 125 Zentimeter Schulterhöhe größer als Alpakas (75 bis 100 Zentimeter). Ihre Wolle ist nicht so hochwertig.
Ingo Meyer-Jungclaussen ist in Ecuador geboren, lebte zweieinhalb Jahre dort. Nach der Lehre reiste er noch einmal für ein Jahr in sein Geburtsland. "Ich war total begeistert von den Tieren und kam auf die Idee, sie nach Deutschland zu importieren. Doch dann erfuhr ich, daß es hier schon Alpaka-Züchter gab", sagt der Grundstücks- und Wohnungsverwalter. "Mich begeistert die Ruhe, die die Tiere ausstrahlen. Sie sind neugierig und gelehrig."
1997, acht Jahre nach dem Ecuador-Aufenthalt, kaufte Ingo Meyer-Jungclaussen das erste Alpaka. "Jetzt sind wir vom Alpaka-Virus infiziert", sagt Martina Wiede, "die Tiere machen süchtig. Wenn man in ihre Augen guckt, ist es um einen geschehen. Fast alle Leute, die sich Alpakas zulegen, bleiben dabei."
Die Haustiere der Indios seien genügsamer als Schafe und leicht zu halten. Sie können ohne Probleme Temperaturen zwischen plus 30 und minus 20 Grad verkraften. "Viermal im Jahr müssen wir die Nägel schneiden und einmal scheren", sagt Ingo Meyer-Jungclaussen. Ein Alpaka wirft im Jahr ein bis drei Kilo Wolle ab, pro Kilo bringt das bis zu 30 Euro.
Gute Zuchthengste gibt es ab 3000 Euro, Zuchstuten ab 4000 Euro und Freizeittiere ab 1500 Euro. Sie leben 18 bis 20 Jahre. "So eine Alpakazucht ist reines Hobby, man kann froh sein, wenn sich das finanziell trägt", sagt Ingo Meyer-Jungclausen.
Alpakas sind als Schwielensohler und auf Grund ihres Freßverhaltens bodenschonende Landschaftspfleger - sie verursachen keine Trittschäden und sind in Deutschland anerkannte landwirtschaftliche Nutztiere. Ihre Wolle wandert in Pullover, Mützen, Socken und Decken.
Champion Laurin, erst seit kurzem Zuchthengst in der Alpakaherde in Königsmoor, hatte gerade seinen ersten großen Auftritt: Er hat die Stute Gina (6) gedeckt - wie bei Alpakas üblich im Liegen. Martina Wiede: "Dabei hat er genüßlich gegurgelt, gegluckst und gesummt."


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