Dibbersen bekommt Wahrzeichen wieder
Restaurierung: Haube und Flügel fehlen noch - trotzdem wird die Mühle am Sonntag schon dem Mühlenverein von der Stadt Buchholz übergeben.
Dibbersen. Die Beharrlichkeit der Mühlenfreunde in Dibbersen zahlt sich aus. Die Windmühle, deren restaurierter Rumpf nur steht, wird jetzt Flügel und die Kappe erhalten. Die Ortschaft Dibbersen bekommt ihr Wahrzeichen, das auch im Wappen des Dorfes abgebildet ist, fast im Original wieder. Eben nur fast, denn der Bergholländer, so heißt diese Mühlenart, wird aus Kostengründen nur mit feststehenden Flügeln ausgestattet.
In diesem Sommer traf die Nachricht ein, dass aus dem Aufbaufonds Hamburg-Niedersachsen 52 500 Euro für die denkmalgeschützte Mühle zur Stadt Buchholz fließen. Der Stadt gehört die Mühle. Sie kaufte sie im Jahre 1988 mit dem Ziel, ein Stück Buchholzer Geschichte und Identität zu erhalten und versprach, sie in einem Stufenplan wiederherzustellen. Mehr als eine Million Euro sollte die Restaurierung kosten. Doch dann setzte die große Flaute in den kommunalen Kassen ein, so dass nach der Restaurierung des Rumpfes erst einmal Dümpeln auf der Stelle angesagt war.
Vor einem Jahr feierte der Mühlenverein in Dibbersen unter dem Vorsitz von Ursula Stahmer mit zahlreichen Gästen sein zehnjähriges Bestehen mit einem Jazzfrühschoppen und gleichzeitig den Baubeginn des Anbaus. Dieser ist inzwischen fertiggestellt und nimmt eine Teeküche, die Heizung für die Mühle und die Toiletten für die Besucher auf. "Wir mussten etwas machen", sagte damals die Vorsitzende, "denn nach dem Stillstand drohte der ohnehin nicht starke Verein, etwas mehr als 50 Mitglieder, zu zerbröckeln."
Jetzt haben Ursula Stahmer, die Vereinsmitglieder und viele sympathisierende Freunde wiederum Grund zum Feiern. Am Sonntag, 26. September, wird der Ortschaft von der Stadt Buchholz die Mühle als Kultur- und Heimatzentrum übergeben. Ein Jazzfrühschoppen begleitet dieses Fest.
Offiziell wird die Mühle erst eröffnet, wenn Kappe und Flügel installiert sind. Das soll bis Ostern 2005 erfolgt sein. "Wir haben keine Erfahrung mit solchen Gewerken und werden die Aufträge ausschreiben", sagt Henri Pawelke aus dem Buchholzer Rathaus. Wenn die Flügel aus Stahl mit offenem Gefach angebracht seien, werde die Mühle auch von der Autobahn 1 schon zu sehen sein.
Jetzt bleibe der Rumpf trotz des Standortes auf dem Hügel wegen der vielen Bäume und des Buschwerks noch verborgen.
Die Dibbersener Windmühle wurde im Jahre 1870/71 von der Firma Pätsmann aus Winsen im Auftrage von Johann Christoph Meyer aus Reindorf auf dem 120 Meter hohen Habenberg erbaut. Meyer verpachtete die Mühle. 1874 heirate Meyer die Tochter des Müllers, Margarethe Peters. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor: Hermann Meyer, der die Dibbersener Mühle erbte, und August Meyer, für den sein Vater eine Mühle in Meckelfeld erwarb. Hermann Meyer heiratete Alwine, die Tochter des Gastwirtes Böttcher aus Dibbersen. Zu dieser Zeit gingen die Mühlengeschäfte hervorragend. Im August 1911 zog ein schweres Gewitter auf, ein Blitz schlug in die Mühle ein und zersplitterte einen Flügel. Das steht in der Schulchronik geschrieben. Am 7. August brannte das Wohnhaus des Mühlenbesitzers Meyer nieder. Im Laufe der Zeit brachen öfter Flügel der Mühle bei Unwettern ab. Etwa eineinhalb Jahre lief der Betrieb nur mit zwei Flügeln.
1930 übernahm Sohn Rudolf Meyer die Mühle. Zur Aushilfe bei Windstille setzte er einen Deutz-Dieselmotor ein. Unwetter richteten erneut Schäden an, die repariert wurden. Der Diesel- wurde von einem Elektromotor ersetzt. 1940 wurde Rudolf Meyer zum Militär eingezogen und galt seit 1945 als vermisst. Erst übernahm Müller Otto Nietz, danach Karl Albers den Mühlenbetrieb. Buchholz und Umgebung wurden mit Futtermitteln versorgt; denn in der Mühle wurde nur noch Futterschrot hergestellt.
1953 wurde die Mühle endgültig stillgelegt. Der Zahnarzt Dr. Ernst Maren pachtete sie und baute sie zum Wohnraum um. Dabei ging die gesamte Mühlentechnik verloren. Im Laufe der Zeit verfiel die Bausubstanz der Mühle immer mehr. Im Jahr 1981 entschied der Ortsrat, die Mühle als Wahrzeichen Dibbersens und als Kulturdenkmal zu erhalten. Ein Erwerb ging über die Finanzkraft des Dorfes hinaus, obwohl immer wieder Verhandlungen mit dem Mühlenbesitzer Hermann Meyer geführt wurden. 1988 kaufte die Stadt Buchholz Meyer die Mühle ab. 1993 gründete sich der Verein der Mühlenfreunde in Dibbersen.
Die Sanierung hatte erst im Jahr 1998 begonnen und kann im kommenden Frühjahr voraussichtlich vorläufig beendet werden.


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