Ehrentafel für Offiziere abgebaut
Die gefeierten Retter der Stadt werden mehrerer Verbrechen in der NS-Zeit verdächtigt.
Buxtehude. Die vier Wehrmachts- und Marineoffiziere, die Buxtehude am 22. April 1945 kampflos an britische Truppen übergaben und damit eine mögliche Zerstörung der Stadt verhinderten, werden nicht weiter mit einer Ehrengedenktafel auf dem Friedensplatz geehrt. Eine genaue Überprüfung der vier Namen hat jetzt ergeben, dass sich die beiden entscheidenden Offiziere der Kapitulation, Konteradmiral Siegfried Engel und Kapitän zur See Alexander Magnus, an Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes beteiligt hatten. Engel hatte als Gerichtsherr indirekt an mehreren Todesurteilen gegen Deserteure mitgewirkt. Unter anderem verweigerte er am 29. März 1945 die Begnadigung eines verurteilten Fahnenflüchtigen, der daraufhin erschossen wurde. Strafrechtlich wurde Siegfried Engel nach dem Ende des Kriegs für sein Verhalten in der NS-Zeit nicht verfolgt. "Sein Handeln besitzt aber eine moralische Qualität, die es ausschließt, dass die Stadt Buxtehude diesen Mann ehrt", sagte Bürgermeister Jürgen Badur, nachdem das Bundesarchiv Vorwürfe des Antifaschistischen Bündnisses Wilhelmshaven in zwei Fällen bestätigt hatte. Kapitän zur See Alexander Magnus hat während seiner Dienstzeit nach Auskunft der offiziellen Stellen Schiffsraum für die Deportation der jüdischen Einwohner der griechischen Insel Korfu bereitgestellt und könnte 1943 auch an Geiselhinrichtungen in der Gegend von Patras beteiligt gewesen sein. Die Ehrengedenktafel für die Offiziere, die gegen den Befehl ihrer Vorgesetzten verhinderten, dass Brücken und Straßen in der Stadt gesprengt wurden, wurde zwei Wochen nach ihrer Enthüllung durch den früheren Buxtehuder Bürgermeister Hans-Georg Freudenthal wieder entfernt. Freudenthal hatte die Ehrentafel gemeinsam mit anderen Spendern der Stadt geschenkt. Freudenthal war nach Aussage von Bürgermeister Badur mit der sofortigen Demontage einverstanden, als er über die Fakten informiert wurde. Gegen die anderen an der Kapitulation beteiligten Offiziere, Hauptmann Hans Haverkamp und Oberleutnant Karl Halaski, gibt es keine Beschuldigungen. Ursprünglich gab es aus dem Stadtrat sogar die Initiative, den Friedensplatz nach dem Konteradmiral Engel-Platz zu nennen. Die zuständigen Ausschüsse des Stadtrats waren über die Aufstellung der Tafel und den Text darauf informiert. Die Stadt Buxtehude hatte sich auch im Jahr 2000, als der Name Friedensplatz für den Bereich hinter dem Stabsgebäude auf dem ehemaligen Kasernengelände und die Aufstellung der Denktafel beschlossen wurden, nach Verbrechen der vier Offiziere erkundigt. Damals habe man die Antwort bekommen, dass beim Bundesarchiv nichts gegen sie vorliege, sagte Bürgermeister Badur.


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