Bienensterben - Gift ist schuld
Nicht die Vaaroa-Milbe sondern Insektizide aus der Landwirtschaft töten die Völker.
Salzhausen. Ein Drittel Wald, ein Drittel Wiese und ein Drittel Acker - so sieht die bevorzugte Wohnlage eines Bienenvolkes aus. Zurzeit warten die Bienen und Imker darauf, dass es endlich Frühling wird und die Produktion des Honigs wieder anlaufen kann. Wenn Berufsimker Wolfgang Stöckmann (45) aus Gödenstorf über den Feldweg zu seinen Bienenstöcken fährt und auf den Feldern die Kiebitze sieht, weiß er, dass wenigstens das Frühjahr nicht mehr lange auf sich warten lässt. Noch bleiben die Tiere in ihren Stöcken und werden mit Zuckerwasser gefüttert. Sobald der Sommer da ist, ist Stöckmann mit seinen Völkern in ganz Deutschland unterwegs. Momentan allerdings quält alle Imker im Landkreis Harburg eine ganz andere Sorge. "Ich habe im letzten Jahr etwa 100 Völker verloren", sagt der Gödenstorfer Imkermeister. Auslöser für das inzwischen in ganz Deutschland verbreitete Bienensterben sei nicht etwa die Varroa-Milbe, die immer wieder durch die Öffentlichkeit geistert. Stöckmann: "Das ist die Erklärung der Bienen-Institute, die uns unsachgemäße Pflege unserer Völker vorwerfen. Wir Imker wissen, dass der Parasit nicht der eigentliche Grund ist." Die Völker seien vielmehr durch die Insektizide aus der Landwirtschaft geschwächt. Der Milbe seien sie damit inzwischen machtlos ausgeliefert. "Die Hersteller der Insektizide testen zwar die einzelnen Mittel an lebenden Bienen. Was die Landwirte dann aber auf ihren Felder ausbringen, sind die so genannten von uns gefürchteten Tankmischungen, ein Gebräu aus verschiedensten Mitteln", so Stöckmann, auch Vizepräsident des Deutschen Imkerbundes. Ulrich Hofmann (64) aus Mühlingen in Baden-Württemberg ist der Vorsitzende des Deutschen Berufsimkerbundes. Hofmann: "Die Testvorschriften sind alt und haben sich nicht mit den Mitteln weiter entwickelt. So werden bis heute beispielsweise nicht die ebenso giftigen Abbauprodukte dieser Insektizide getestet." Die Pharmaindustrie lässt ihre Insektizide bei den verschiedenen Bienen-Instituten nach genau vorgegebenen Regeln testen. Der Imkerbund fordert eine Überarbeitung der Prüfmethoden für Insektizide. "Diese Insektizid-Mischungen haben verheerende Wirkungen. Wir fordern, dass nicht nur die einzelnen Mittel, sondern ganze Mischungen an Bienen-Völkern ausprobiert werden. Nur so lässt sich tatsächlich sagen, welche Wirkung sie auf das empfindliche System Bienenvolk haben", sagt Stöckmann. Die Insektizide, die eigentlich gegen Pflanzenschädlinge, dazu gehören auch die Milben, eingesetzt werden, senken das Immunsystem der Bienen und greifen ihre Brut an. Die Varroa-Milbe gibt es schon seit den 70er-Jahren in Deutschland. Wolfgang Stöckmann: "Damals ist kein Bienenvolk an der Milbe zu Grunde gegangen. Inzwischen sind die Völker aber derart durch die Pestizide geschwächt, dass ihnen die Milbe den Rest gibt." Stöckmann und seine Kollegen appellieren auch an die Landwirte, verantwortungsbewusster mit den Mitteln umzugehen. "Es geht uns dabei nicht um Schuldzuweisungen. Uns geht es vielmehr darum, dass die Biene endlich als Indikator für den Zustand unserer Umwelt anerkannt wird", sagt Wolfgang Stöckmann.


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