Protest: 1000 Wilhelmsburger demonstrieren gegen Pläne des Senats
Sie wollen keine neue Autobahn
Im Hamburger Süden wächst der Protest gegen eine neue, breitere "Reichsstraße" und "Hafenquerspange".
Wilhelmsburg. Demo-Initiator Manuel Humburg brachte es auf den Punkt: "Wir wollen keine neue Autobahn durch unseren Stadtteil." Und die Kirchdorferin Melanie Klein (36) sah es so: "Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Sie sollen nicht zwischen Autobahnen spielen und aufwachsen." Weil Wilhelmsburg "nicht durch zwei Autobahnen zerschnitten werden soll", gingen am Sonnabend rund 1000 Wilhelmsburger auf die Straße. Sie protestierten gegen die Pläne des Hamburger Senats, die "Hafenquerspange" über Kattwykbrücke, Hohe Schaar und Kornweide an die A 1 bei Stillhorn zu führen. Weiterer Kritikpunkt: Zusätzlich soll die Wilhelmsburger Reichsstraße an die Bahnlinie verlegt werden und von 14 auf 28 Meter verbreitert werden - nicht als "Autobahn", sondern weiterhin als "Bundesstraße". Auch dagegen votierten die Demonstranten.
Den Auftakt bildete eine Kinderdemo um 14 Uhr auf dem Marktplatz in Kirchdorf-Süd. Weiter ging es über Otto-Brenner-, Neuenfelder und Mengestraße zum Wilhelmsburger Rathaus. Eine Gruppe türkischer Trommler und eine 20-köpfige Sambagruppe sorgte für Stimmung. Vor dem Rathaus folgte die Abschlusskundgebung und 300 Luftballons wurden in den Wilhelmsburger Farben Gelb und Blau in den Himmel geschickt.
Kinder aus der Kindertagesstätte Elb-Kinder in der Prassekstraße und der naheliegenden Grundschule sowie Vorschüler der "Kiddies Oase" hatten Karten bemalt, die sie beim großen Demo-Finale um 15.30 Uhr als "Wunschzettel" an den Senat auf die Reise schickten. Mit zahlreichen Transparenten brachten die Demonstranten ihren Missmut zum Ausdruck: Rilana Timm (27) und Dyana Ritter (29) aus Kirchdorf fuhren auf einem Traktor und zeigten Flagge: "Autobahn: No!" "IBA im Blick, Autobahn im Rücken" lautete eines der größten Transparente. Vivian Mülleder (25), Wiebke Hinz (41), Petra Ulrich (48), Nicole Mülleder (43) und Jasmin Garlipp (45) aus der Siedlergemeinschaft Am Radeland in Bostelbek demonstrierten gegen die "Hafenquerspange, die nicht mal 500 Meter vor unseren Haustüren gebaut werden soll". Viola Schlie (55) aus Wilhelmsburg sagte: "Uns wird mit der IBA Sand in die Augen gestreut, aber im Endeffekt werden uns Straßen reingedrückt, die andere nicht haben wollen." "Mit den Ballons soll ein friedliches Zeichen gegen weitere Autobahnen im Stadtteil gesetzt werden", sagte Melanie Klein. "So haben wir uns den Sprung über die Elbe nicht vorgestellt. Während im Westen Hamburgs viele Millionen in einen Autobahndeckel investiert werden, um die Bevölkerung vor Lärm und Abgasen zu schützen, sollen in Wilhelmsburg zwei neue Autobahnen durch Wohngebiete geführt werden. Das beweist, dass die Teilung der Stadt in bessere und Stadtteile zweiter Klasse noch lange nicht überwunden ist. So wird die Elbinsel nicht ins Zentrum der Stadt rücken."


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