Winter in Harburg - Kirschblüte trotzt der klirrenden Kälte
Man weiß nicht recht, ob man die "Klimakatastrophe" beklagen oder sich an den rosa-weißen Farbtupfern erfreuen soll: An einigen Stellen Harburgs,
Man weiß nicht recht, ob man die "Klimakatastrophe" beklagen oder sich an den rosa-weißen Farbtupfern erfreuen soll: An einigen Stellen Harburgs, zum Beispiel vor der Post hinter dem Bahnhof oder am Schwarzenberg, blühen zurzeit die ersten Kirschbäume. Jetzt fehlen nur noch Krokusse und Maiglöckchen.
Es hat den Anschein, dass die Natur verrückt spielt und eine uralte Tradition ad Absurdum führt. Traditionellerweise läutet die Kirschblüte das Ende des Winters ein. In Jork feiert man das Altländer Blütenfest Anfang Mai, und die Japanische Gemeinde schenkt den Hamburgern in diesem Jahr am 22. Mai das Kirschblütenfest an der Außenalster.
Dieses Fest ist ein wichtiges Symbol der japanischen Kultur. Es markiert den Frühlingsbeginn und steht für Aufbruch, Vergänglichkeit und für zerbrechliche weibliche Schönheit. Ende April bis zum Beginn des Mai zelebrieren die Japaner ihr Hanami-Fest, was so viel wie "Blüten betrachten" bedeutet. Dann ziehen sie mit Sack und Pack zu den Kirschbäumen, trinken Sake (Reiswein) und packen ihre Lunch-Box (O-Bento) aus. Im Ueno-Park von Tokio ist dann kein freies Fleckchen Rasen mehr zu finden.
Geradezu atemberaubend blüht um diese Zeit der Yoshino-Kirschbaum mit dem botanischen Namen "Prunus x yedoensis" (Yeddo ist der alte Name für Tokio), der auch hierzulande gedeiht. Er scheint sich an den Frühlingsanfang zu halten. Es gibt klimatisch bevorzugte Gegenden, etwa auf der Insel Okinawa, wo das offizielle Kirschblütenfest bereits in der letzten Januarwoche stattfindet. Es sind in der Regel Zierkirschen, die sich von einem milden Winter zur Blüte verführen lassen. Die köstliche Süßkirsche (Prunus avium, Vogelkirsche), etwa die tolle "Knubber" aus dem Alten Land, blüht nach wie vor erst Ende April. Die Japaner haben dagegen immer schon mehr auf die Blütenpracht ihrer Kirschbäume gelegt. Sie ernten nur kleine, harte und ungenießbare Früchte. Essbare Kirschen in einem japanischen Supermarkt stammen in der Regel aus Kalifornien.


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