Moisburg will Bücherei behalten
Zwei Halbtagsstellen sollen ersatzlos gestrichen werden um Geld zu sparen. Das wäre das Aus für die Bücherei im Amtshaus.
Moisburg. Es herrscht Aufruhr unter Moisburgs Leserschaft. Die Moisburger haben Angst, dass ihre Bücherei im Amtshaus dem Rotstift zum Opfer fällt. Die CDU im Samtgemeinderat Hollenstedt hatte beantragt, die beiden Halbtagsstellen von zwei der drei Bücherei-Mitarbeiterinnen zu streichen. Im Finanzausschuss wurde der Antrag bereits befürwortet. Am 16. Dezember berät der Samtgemeinderat über den Antrag. Zur selben Zeit wird im Samtgemeinderat darüber diskutiert, die Besoldung des Bauamtsleiterposten von A 12 auf A 13 anzuheben. Das entspricht einer Erhöhung von rund 300 Euro im Monat. Seit bekannt geworden ist, dass Brigitte Riemann und ihre Kollegin entlassen werden sollen, erlebt die gelernte Buchhändlerin eine Welle der Solidarität.
Immer wieder kommen Leser zu ihr ins Amtshaus und zeigen sich bestürzt über die geplante Sparmaßnahme. Hier werde wieder mal am falschen Ende gespart, heißt es immer wieder. Angela Linke (38) aus Moisburg kommt mit ihren drei Kindern Verona (zwei), Vincent (fünf) und Alexandra (sieben) regelmäßig ins Amtshaus, um für Lesestoff zu Hause zu sorgen. "Hier entstehen dauernd neue Wohngebiete, immer mehr junge Familien mit kleinen Kindern ziehen hier her. Aber die Infrastruktur wird abgebaut. Wir versuchen unsere Kinder fürs Lesen zu begeistern und dann wird an der Bücherei gespart", sagt sie. Auch Helga Behrendt ist sauer über die Sparpläne der Hollenstedter Politiker: "Alle Welt redet von der Pisa-Studie, aber wie sollen wir denn unseren Kindern Bildung schmackhaft machen, wenn an dieser Stelle gespart wird", sagt die Moisburgerin.
Die kleine Bücherei im Amtshaus ist längst zum kulturellen und sozialen Treffpunkt geworden. Die Moisburger sind sich einig, so ohne weiteres wollen sie sich das nicht von den Politikern bieten lassen. Das Argument der CDU, die Moisburger Bücherei sei auch mit Ehrenamtlichen zu führen, zieht weder bei den Moisburger Lesern noch bei Ute Golombek.
Die Diplom-Bibliothekarin Golombek leitet die Bücherei der Samtgemeinde in Hollenstedt mit Zweigstelle in Moisburg. Sie soll dann beide Büchereien mit ehrenamtlichen Kräften führen. "Das ist absolut unmöglich. Beide Büchereien haben zusammen 22 Öffnungsstunden. Meine Stelle hat nur 16 Stunden. Ich könnte die Kräfte nicht mal während meiner Arbeitszeit anleiten oder beaufsichtigen. Außerdem würde ein ganzes Heer von Ehrenamtlichen gebraucht werden, um auch nur annähernd die Öffnungszeiten aufrecht zu erhalten. Eine Zweigstelle in Moisburg können wir dann nicht mehr offen halten." Und nicht zuletzt würde die Qualität auf der Strecke bleiben. Golombek: "Die Leser müssten auf die fachliche Beratung verzichten, und all die Arbeit, die dahinter steckt, eine derart gut funktionierende Bücherei zu führen, bliebe liegen."
Golombek und ihre beiden Mitarbeiterinnen haben seit 1984 eine gut funktionierende Bücherei mit einem großen Bestand an Medien und einem fundierten Katalog-System aufgebaut. In der freien Wirtschaft wäre die Bücherei ein florierendes Unternehmen, sagt ein Moisburger. Auch er ärgert sich über die Sparpläne, will aber namentlich nicht genannt werden.
Rund 14 500 Bücher und Medien stehen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern, die bis zum 18. Lebensjahr umsonst lesen, zur Verfügung. In Hollenstedt zählten die Mitarbeiterinnen 20 000, in Moisburg etwa 10 000 Verleihungen im letzten Jahr, Tendenz steigend. An drei Nachmittagen in der Woche ist das Amtshaus Anlaufpunkt für Leseratten jeden Alters. Die Kleinsten leihen sich Bilderbücher, Schüler besorgen sich hier Material für ihre Referate und CD-Roms für den Computer oder dicke Schmöker. Was es im Amtshaus nicht gibt, besorgt Brigitte Riemann fürs nächste Mal in der Hollenstedter Hauptstelle. Die drei Bibliothekarinnen arbeiten mit Schulen und Kindergärten zusammen, organisieren Lesungen im Amtshaus und halten die Bücherei immer auf dem neuesten Stand der Literatur.
Helga Behrendt: "Ich wäre absolut bereit, mehr Beitrag als fünf Euro zu zahlen, wenn das bei Sparen helfen würde. Aber ich bin nicht bereit, hinzunehmen, dass die Bücherei geschlossen wird." Im Amtshaus formiert sich der Protest, die Leser wollen sich wehren. Abgesehen vom Verlust ihrer Bücherei wollen sie nicht hinnehmen, dass zwei Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Golombek: "Ich bin entsetzt darüber, dass hier hinten herum, auf Kosten zweier Arbeitsplätze, Leistungen am Bürger gekürzt werden sollen. All die Aufbauarbeit wäre durch die Streichung zunichte gemacht. Jahrelang wurden Steuergelder für die Bücherei ausgegeben. Wenn an dieser Stelle gekürzt wird, waren die Ausgaben umsonst."


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