Einzelhandel: Im Landkreis sollen sich Einkaufsregionen profilieren
Statt Luhe: Winsen wirbt mit Elbe
Mittelfristig sollen 100 Millionen Euro Kaufkraft mehr in den Geschäften des Kreisgebietes bleiben. Haben spezielle Einkaufsregionen im Kreisgebiet Erfolg? Schicken Sie uns Ihre Meinung
Hittfeld. Der geplante "Super-Sonntag" für die Standortoffensive des Einzelhandels im Landkreis Harburg nimmt immer mehr Gestalt an. Der verkaufsoffene Sonntag im gesamten Landkreis, wohl einzigartig in Deutschland, soll voraussichtlich sogar ein Jahr früher als geplant über die Bühne gehen: im September oder Oktober 2009. Weil Experten raten, den "Super-Sonntag" so schnell wie möglich umzusetzen, will der Wirtschafts- und Gewerbeverband im Landkreis Harburg (WG:LH) jetzt Dampf machen. Das signalisierte der Vorsitzende Wolfgang Schnitter am Mittwochabend im "Ric" in Hittfeld.
Der Wirtschafts- und Gewerbeverband stellte an diesem Abend seine "Qualitätsoffensive" zur Attraktivitätssteigerung des Einzelhandels im Landkreis Harburg vor - eine gemeinsame Initiative der Wirtschaft mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WLH), dem Landkreis Harburg und der Sparkasse Harburg-Buxtehude.
Hintergrund der "Standortoffensive": Der Einzelhandel im Landkreis Harburg hat mit einem hohen Kaufkraftabfluss zu kämpfen. 450 Millionen Euro, so eine Studie der GfK GeoMarketing GmbH aus 2006, gehen pro Jahr verloren. Ziel ist es, den Einzelhandel im Landkreis attraktiver aufzustellen und bis 2020 etwa 100 Millionen Euro wieder gut zu machen.
Insgesamt fünf Einkaufsregionen im Landkreis sollen in Zukunft ihre Profile schärfen und bewerben - das ist das Ergebnis einer Workshop-Reihe in der Regie des Wirtschafts- und Gewerbeverbandes. So will sich der Einzelhandel demnach gegen den Kaufkraftabfluss stemmen:
Punkten könne die Region Winsen/Elbmarsch/Stelle mit der Elbnähe. Sogar der Name der Kreisstadt ist dabei kein Tabu. Wolfgang Schnitter: "Aus Winsen an der Luhe müsste man vielleicht Winsen an der Elbe machen!" Die Stadt Winsen soll zudem ihr Altstadtflair deutlicher als bisher herausstellen - schließlich sei es die einzige Altstadt im Landkreis.
Die Region Neu Wulmstorf/Rosengarten/Hollenstedt könnte sich als der "Bio-Markt des Landkreises" etablieren. Basis dafür seien die vielen Hofläden dort. Neu Wulmstorf wird sein Profil als Automeile schärfen. Tostedt könne sich als Tipp für Modebewusste einen Namen machen - laut Wirtschafts- und Gewerbeverein gebe es hier noch auffallend viele selbstständige Boutiquen. Die alte Handelsstraße B 75 sei ein Vermarktungsansatz. Seevetal könne Profil als Mekka für Gartenfreunde gewinnen. Die Heide-Orte Hanstedt, Jesteburg und Salzhausen sollen ihren Ruf als Region für "Pferd und Reiter" weiter ausbauen. Große Flächen für Einzelhandel müssten aber her. Für Buchholz gibt es noch keine Empfehlung - hier soll erst die weitere Entwicklung abgewartet werden.
Der "Super-Sonntag" ist als weiterer Baustein gedacht, 100 Millionen Euro Umsatz zurückzugewinnen - sozusagen als ein Paukenschlag, auf den Einkaufsstandort Landkreis Harburg überregional aufmerksam zu machen.
Dass ein Super-Shopping-Sonntag im gesamten Landkreis möglich ist, zeige ein Beispiel aus der Rhein-Ruhr-Region. Dort haben sich insgesamt elf Kommunen, beteiligt war auch das riesige Einkaufs- und Freizeitzentrum "CentrO" in Oberhausen, am 5. Oktober mit Erfolg für eine Sonntagsöffnung zusammengetan. Ein Bus-Shuttle soll die Besucher an jenem Sonntag in jede Ecke des Landkreises bringen. Die Pläne des Wirtschafts- und Gewerbeverbandes sehen Startpunkte in Winsen und Buchholz, aber auch in Harburg und Lüneburg vor - eine klare Kampfansage an die benachbarte Konkurrenz.
Ideen für ein Rahmenprogramm des "Super-Sonntags" brachte Rüdiger Janoscheit von der Hamburger Eventagentur "mix und partner" ins Gespräch: Ein landkreisweiter Biomarkt mit Show-Kochen, am besten mit einem Promi-Koch, könnte Menschen anlocken.


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