Mienenbüttel/Stade: Bürger gingen auf die Straße
Protest gegen Logistik und Kraftwerke
Beide Demonstrationen blieben friedlich. Doch der Unmut der Menschen war nicht zu überhören.
Oldendorf/Stade. "Hier kämpft die Demokratie gegen die Obrigkeit", sagt Michael Rentsch, der am Sonnabend gemeinsam mit rund 200 weiteren Demonstranten gegen den Logistikpark Mienenbüttel und die Erweiterung des Logistikparks Wennerstorf protestierte. Zeitgleich demonstrierten in Stade Umweltschützer gegen die geplanten Kohlkraftwerke.
Der von der Bürgerinitiative Oldendorf angemeldete Protestmarsch, der nach eigenen Angaben friedlich und familienfreundlich ablaufen sollte, führte über etwa sieben Kilometer von Oldendorf nach Wennerstorf. Unterstützt wurde die Demonstrantengruppe von mehreren Bürgerinitiativen aus dem Umkreis, die gleichfalls von der Problematik "Logistikparks" betroffen sind.
"Wir können es einfach nicht zulassen, dass das angenehme Leben hier in unserem Dorf aufgrund dieser riesigen Parks zerstört wird", so Dieter Pfennig aus Oldendorf, der die Demonstration organisiert hatte. "Wir wollen einfach alles erdenkliche tun, damit wir von diesem Projekt verschont bleiben."
Juristisch unterstützt wird die Bürgerinitiative von Michael Köppe, einem ehemaligen Buxtehuder Amtsrichter, der seit 1977 in Mienenbüttel lebt und somit selbst von der Problematik betroffen ist. "Ich fordere, dass gegen die Gemeinde Neu Wulmstorf kommunalaufsichtsrechtlich vorgegangen wird", so Köppe, "denn es gibt eindeutige Indizien dafür, dass hier Rechtsmissbrauch betrieben wird." Die Oldendorfer sind der Meinung, dass im Neu Wulmstorfer Rathaus die Wünsche der Bürger nicht zählen.
"Wir fordern einfach, dass man sich mit uns an einen Tisch setzt, und wir über einen Kompromiss nachdenken können", so Organisator Pfenning. "Das wird in der Wirtschaft auch so gehandhabt und man könnte einiges an Zeit und Geld sparen, das für Klagen und andere juristische Vorgehensweisen ausgegeben wird." Nach dem Ende des friedlichen Protestumzuges in Wennerstorf wurde auf einer Abschlussveranstaltung gemeinsam gefeiert.
Dieter Pfenning resümierte am Abend: "Wir sind vor ein paar Jahren extra hierher gezogen, um in Ruhe leben zu können. Wir wollen einfach nicht, das dort, wo heute Rehe und Füchse über das Feld laufen, bald riesige Hallen die Natur verschandeln."
In der Kreisstadt Stade errichteten Demonstranten auf dem Pferdemarkt ein fünf Meter hohes, als Dinosaurier gestaltetes Kohlekraftwerk. Aus dem "Kohlosaurus" ließen die Aktivisten Hunderte "CO2-Ballons" aufsteigen, die die Gefahr der Kohleverbrennung für das Klima symbolisieren sollten. Auf Plakaten forderten die Demonstranten: "Dinosaurier-Technologie stoppen!" Die Aktion, gemeinsam mit regionalen Bürgerinitiativen organisiert, richtete sich gegen die drei von Electrabel, Dow Chemical und E.on in Stade geplanten Steinkohlekraftwerke, wie das Aktionsbündnis "Zukunft statt Kohle" mitteilte.
Die Stader Demonstration war Teil einer bundesweiten Protestaktion. Während seiner "Anti-Kohle-Tour" zieht das Aktionsbündnis einen Monat lang durch zehn Städte, in denen über neue Kohlekraftwerke entschieden wird. Stefan Kruijer von der Bürgerinitiative Stade/Altes Land sagte: "Die drei neuen bei Stade geplanten Kraftwerke würden in den nächsten 40 Jahren rund 680 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Das ist mehr, als Großbritannien in einem Jahr ausstößt." Die Stadt Stade müsse ihre kommunalen Rechte wahrnehmen und über die Bauleitplanung die Kohlekraftwerke verhindern. Die niedersächsische Landesregierung solle die Genehmigungsverfahren für alle Kohlekraftwerke stoppen, sagte Stefan Kruijer.


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