Jugendcamp: Völkerverständigung rund um die Anne-Frank-Schule
Netzwerk der Friedensboten
Vier Wochen lang leben Kinder aus aller Welt in Kaltenmoor zusammen, schließen Freundschaften und lernen viel über fremde Kulturen.
Lüneburg. 48 Kinder, sechs Jugendliche und 16 junge Erwachsene aus zwölf Ländern stellen in Kaltenmoor zurzeit etwas auf die Beine, das Staatschefs mit noch so viel Diplomatie vermutlich nicht leisten könnten: Völkerverständigung im Kleinen mit Blick auf das Große. Vier Wochen leben die jungen Menschen zusammen und lernen damit ganz nebenbei, wie selbstverständlich andere Kulturen zur Welt dazugehören. Alle zwei Jahre finden solche Camps der internationalen Jugendorganisation CISV in Lüneburg statt.
"Der Grundgedanke ist: Wenn Kinder in möglichst jungen Jahren andere Kulturen kennenlernen, dürfte es Kriege wegen Rassenfeindlichkeit eigentlich nicht mehr geben", erklärt Ann-Kathrin Röhlen (21), selbst bereits seit Kindesalter beim CISV und über die Organisation schon auf den Philippinen, in Kanada und Brasilien gewesen. 1951 gründete die amerikanische Psychologin Doris T. Allen CISV (Children's International Summer Villages) für praktische Friedenserziehung, in Lüneburg gibt es CISV seit 33 Jahren. 200 Programme in 60 Ländern finden allein in diesem Jahr statt - eines davon in der Anne-Frank-Schule in Lüneburg.
Für Ananya (11) aus Indien, Maiten (11) aus Norwegen und Brandon (12) aus den USA ist es ihr erster Besuch in Deutschland, gemeinsam mit jeweils drei Gleichaltrigen und einem mindestens 21-jährigen Betreuer stellen sie eine sogenannte Delegation ihres Heimatlandes. Zu Hause gebe es viel "mehr Abfall und mehr unterschiedliche Kulturen", erzählt Brandon aus Pennsylvania. Und was er in Deutschland bislang nicht zu essen bekam, in Amerika aber ständig: "Hamburger".
Maiten aus Oslo findet es in Lüneburg "wärmer als in Norwegen", ein ganz bisschen Deutsch versteht sie, weil die Sprachen sich teilweise recht ähnlich sind. Ansonsten ist die Camp-Sprache Englisch. Ananya vermisst ein wenig die vielen verschiedenen indischen Gewürze, und was ihr in Deutschland aufgefallen ist: "Bei uns gibt es nur flache Dächer, weil kein Schnee fällt. Hier sind alle Dächer schräg. Paola (21) ist die Betreuerin der Delegation aus Mexiko-Stadt, liebt den deutschen Nachtisch und findet, Lüneburg ähnele einem "Puppenhaus". Genau wie auf Max-Otto (11) aus Berlin wirkt die Stadt auf sie "unglaublich ruhig", es gebe hier so wenig Verkehr. Vier Wochen leben die Kinder und Jugendlichen in der Anne-Frank-Schule, es ist garantiert, dass sich alle untereinander kennenlernen - und jeder auch einmal die Toilette putzen muss.
Ann-Kathrin Röhlen (21) und Karoline Menneking (25) sind zwei von vier ehrenamtlichen Lüneburger Organisatoren, die den Betreuern den Rücken freihalten und im Hintergrund dafür sorgen, dass alles funktioniert. "Es ist gar nicht so wichtig, wo ein Camp stattfindet", sagt Karoline Menneking. "Wichtig ist nur, was drinnen stattfindet: andere Kulturen kennenlernen."
Am Sonntag, 10. August, lädt das Camp zum "Open Day" ein, von 15 bis 18 Uhr stellen sich alle Nationen vor, Gäste sind sehr herzlich eingeladen. Wer sich für den CISV und seine Programme interessiert, erfährt mehr unter Telefon 04131/720 58 47 oder im Internet unter


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