Handyfreie Zone
Ich gebe zu, ich bin immer gern mit der Bahn gefahren. Während ich durchs Land transportiert werde, kann ich in Ruhe meine Zeitung lesen, dösen, essen oder ein Nickerchen zwischen Harburg und Hannover machen. Das ist mittlerweile nicht mehr drin. Während ich mit dem Zug dahin gleite, bin ich unfreiwillig an Gesprächen beteiligt. Dank Mobiltelefons weiß ich jetzt Bescheid, wie es um die Verkaufszahlen bei Firma XY steht. Und dass es Frauen gibt, die ihren Mann Dicki nennen. Ein Handy am Ohr werden Menschen hemmungslos.
Erst kürzlich saß vor mir ein Mitreisender, der seinem Gesprächspartner via Handy die Befindlichkeiten seines Darmes erklärte. "Du, ich habe seit Tagen Durchmarsch", ließ er die Reisenden des Großraumwagens an seinem Leiden teilhaben. Ich vermute, am anderen Ende lauschte ein Arzt, so tief ging es in medizinische Details. Meine Versuche wegzuhören, wurden durch sein lautes Reden zunichte gemacht. Leise zu sprechen, scheint am Handy unmöglich. Da wird reingebrüllt, als wenn am anderen Ende der Leitung ein Schwerhöriger sitzt. Einfach das Abteil wechseln? Unmöglich in ausgebuchten Zügen. Ich reserviere mittlerweile sehr zeitig einen der begehrten Plätze in der handyfreien Zone. Leider saß dort bei meiner letzten Reise eine gutgelaunte Männerrunde. Die telefonierte zwar nicht, trotzdem war sie unüberhörbar.


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