Therapie: In Sieversen boten Experten einen Nichtraucherkursus an
Im Psychokampf gegen die Zigarette
14 Frauen und Männer wollen weg vom Glimmstengel. Ein Seminar soll ihnen helfen. Die Rundschau hat zugehört.
Sieversen. "Morgens aufzuwachen und nicht mehr das Bedürfnis, den ,Schmachter' auf eine Zigarette zu haben, das wäre schön", fasst es Helga zusammen. Rauchend steht sie mit 13 Frauen und Männern vorm Seminarraum in einem Hotel in Sieversen. Sie haben sich für einen Nichtraucherkurs angemeldet. An diesem Sonnabend werden sie viel über die Gefahren des Rauchens, über individuelle Raucher-Gründe und ihre Sucht erfahren und wollen sich so aus der Sucht befreien.
Katrin Henk und Jörg Stark, Diplom-Psychologen, helfen Rauchern seit vier Jahren mit ihren Nichtraucherseminaren "Endlich Aufatmen". Katrin Henk ist Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Himmelpforten, Jörg Stark ist Management- und Unternehmensberater. Im Jahr bieten sie etwa 15 Kurse für jeweils höchstens 14 Teilnehmer an. Der Kursus wird von den Krankenkassen anerkannt und bezuschusst. Sie selbst waren mehr als 20 Jahre starke Raucher. Wichtig ist: "Die Teilnehmer sollten freiwillig kommen und den eigenen Willen haben, mit dem Rauchen aufzuhören", sagt Katrin Henk.
"Meine Ärztin hat mir zu einem solchen Seminar geraten", sagt Kerstin (50). Und: "Ich rauche, wenn ich Stress habe, und wenn es gemütlich ist, zum Glas Wein oder zur Tasse Kaffee. Aber durch diese ganzen Rauchergesetze wird man ja auch abgestempelt", sagt sie. Zusammen mit den anderen raucht sie in der Pause eine Zigarette zum Kaffee. "Ich muss aus gesundheitlichen Gründen aufhören", sagt Beate (42) aus Hanstedt. Sie hat es mit Nikotinpflastern versucht - umsonst. Helga (71) sagt über ihre Motive: "Einerseits habe ich Angst, es nicht zu schaffen, andererseits wäre es eine wahre Freude, wenn ich nicht mehr rauchen müsste." Sie raucht seit 30Jahren. "Ich habe schon mehrmals versucht aufzuhören, aber nach ein oder zwei Jahren habe ich wieder angefangen", sagt Gabi (47) aus Hanstedt. "Mir fehlt mehr und mehr die Kondition beim Schwimmen, außerdem will man ja auch Vorbild für die Kinder sein", begründet Claus seine Teilnahme. Und wenn er weniger raucht, muss er auch weniger husten.
Im Seminarraum sollen die Teilnehmer ihre individuellen Gründe fürs Rauchen nennen. Dass Zigaretten bei Langeweile und Stress, bei Gemütlichkeit und Trauer, also bei guten und schlechten Gefühlen gleichermaßen helfen, wie sie angeben, entlarven die Teilnehmer mit Hilfe der Psychologen selbst als "Raucher-Lügen".
"Die Teilnehmer lernen zu verstehen, dass die Zigarette ihnen in keiner Lebenssituation hilft", sagt Katrin Henk. "Sucht" gaben nur wenige Teilnehmer als Grund fürs Rauchen an, doch es ist allein die Sucht, die sie zum Rauchen zwingt. "Sie sind süchtig, verniedlichen Sie diesen Punkt nicht. Seien Sie stolz, dass Sie ab heute Abend nie mehr rauchen", sagt Jörg Stark.
Die Psychologen arbeiten mit einem Mix aus Verhaltenstherapie, Coaching und Hypnose. "Wir befragen unsere Teilnehmer ein Jahr nach dem Kurs, unsere Erfolgsquote liegt bei 75 Prozent", sagt Jörg Stark. "Die Hypnose ist ein wissenschaftlich anerkanntes Heilverfahren, das helfen soll, auch im Unterbewusstsein eine positive Grundhaltung zum Nichtrauchen zu verankern", sagt Katrin Henk. Zunächst erklärt sie den Teilnehmern, dass die Hypnose nichts mit Bühnenshow-Hypnose zu tun hat. "Ihr Bewusstsein ist die ganze Zeit da", sagt die Psychologin. Wichtig sei dennoch, sich innerlich nicht zu sperren und nichts Außergewöhnliches zu erwarten.
Sechs Stunden dauert das Seminar. Immer wieder werden die Teilnehmer bestärkt, positiv zu denken ("Ich schaffe das"), und es als Gewinn an Lebensfreude zu sehen, nicht mehr zu rauchen. In der letzten Pause wird die allerletzte Zigarette geraucht: Dazu gehen die Teilnehmer mit Jörg Stark auf den Parkplatz des Hotels. Noch einmal stehen sie in der Kälte und rauchen - gemeinsam und doch jeder für sich. Dann wirft einer nach dem anderen seine Kippe in den Feuerkorb. Schweigend gehen sie zurück in den Raum, nun folgt die Hypnose.
Gegen 21 Uhr verlassen alle Teilnehmer das Seminar, entspannt und gelöst - niemand zündet sich im Vorraum eine Zigarette an. Ein gutes Zeichen?. "Das packen wir", sagt eine Teilnehmerin aufmunternd zu der anderen. "Ich schaffe es", sagt Helga und erinnert sich an den Abschlusssatz im Seminar: "Ich bin für immer frei vom Rauchen. Ich bin frei, gesund und stark."


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