Buxtehuder Konzert: Wie Persien Europa die Musik brachte
BUXTEHUDE. Der Blick in andere Kulturen schärft auch die Sichtweise auf die eigene Kultur. Das wusste schon Goethe, als er seinen West-Östlichen Diwan nach persischen Gedichten schrieb. Am Sonntagabend wurde aber nicht persische Literatur, sondern persische Musik mit barocker europäischer zusammengeführt Christiane Gerhart, Gambe und Geige, und Rusbe Torkashvand-Nezhad, Santur und Tommel, spielten beim Buxtehuder Rathauskonzert Musik aus beiden Kulturen. Persien hat nicht nur mit den Märchen aus 1001 Nacht eine der Grundlagen schlechthin der europäischen Literatur gelegt; ein Perser hat auch, wie man erfuhr, im Jahre 850 in Cordoba die erste europäische Musikschule gegründet. Es war überaus reizvoll zu hören, wie sich beide Kulturen annäherten. Bei europäischen Musiken spielte die Santur mit, bei persischen paßte sich die Gambe dem asiatischen Tonfall an. Es zeigten sich auch inhaltliche Gemeinsamkeiten. Das Stück Charmerab-e-Esfahan hielt sich vorwiegend im Bereich der fünften Tonstufe auf. Das aber tut ohnehin eigentlich alle große europäische Musik gerne, und auch die alte spanische volkstümliche Kalata alla spagnola tat es.
Eine weitere Gemeinsamkeit: Die gesamte europäische Streicherfamilie stammt über das maurische Spanien von der persischen Ud ab, einer Art Gitarre. Das dritte Element, das die europäische Musik aus Persien übernahm, war, wie Christiane Gerhardt ausführte, die Koloratur, die Tonumspielung, seit je bei uns so prominent in der Oper eingesetzt. Schön und reizvoll war, wie sich die beiden Instrumente jeweils in Rollen fügten, die ihrer Tradition nicht entspricht. So hatte die Santur regelrechte Kontrapunktik zu spielen; die Geige klang dafür fernöstlich tonumspielend. Dieses schöne Konzert hätte mehr Publikum verdient gehabt; die Anwesenden waren jedenfalls sehr interessiert und spendeten begeistert Beifall.


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