Testfahrt: Im Mai fährt ein Römerschiff durch den Binnenhafen
Harburger bauen Fluss-Kriegsschiff
Bevor der Nachbau auf die Tournee "2000 Jahre Varusschlacht" gehen darf, dient er noch wissenschaftlichen Untersuchungen.
Harburg. Der Nachbau eines etwa 2000 Jahre alten Fluss-Kriegsschiffs aus der Römerzeit geht seiner Vollendung entgegen. Auf der Werft des Harburger Beschäftigungsträgers "Jugend in Arbeit" am Lotsestieg ist der hölzerne Schiffsrumpf fast fertiggestellt. 16 Meter ist er lang, drei Meter breit, sein künftiger Segel-Mast wird neun Meter hoch sein. Mitte Januar vergangenen Jahres war Kiellegung, kommenden Mai steht eine Probefahrt im Harburger Binnenhafen auf dem Terminplan. Danach geht das Schiff für seinen Auftraggeber, den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, auf Deutschlandtournee durch 20 Städte und wird auf den Flüssen Donau, Rhein, Lippe, Ems und Weser auf die Ausstellung im Jahr 2009 "Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht" in Haltern, Kalkriese und Detmold aufmerksam machen.
Noch ist der originalgetreue Nachbau des römischen Fluss-Kriegsschiffs kein Werbeträger für die Varusschlacht-Ausstellung, sondern ein wissenschaftliches Forschungsobjekt. Die Forschung hat mit der Kiellegung begonnen und wird mit Probefahrten bis zur Übergabe an den Auftraggeber enden. Dr. Christoph Schäfer (45), Professor für Alte Geschichte an der Uni Hamburg, ist Römerschiff-Experte in Theorie und Praxis. Er steht in regelmäßigem Kontakt mit Bootsbaumeister Matthias Helterhoff, der zusammen mit Gesellin Carolin Groß, 16 Studenten und vier Lehrlingen das Schiff in römischer Bauweise erstellt. Allerdings benutzen sie für ihre Arbeit elektrische Handwerkzeuge und stehen auch nicht unter Arbeitsbefehl wie zurzeit der Römer. Damals wurden kräftige Männer in die Arbeit mit Handwerkszeug wie Hobel, Säge, Stecheisen, Hammer und Bohrer eingewiesen.
Schäfer: "Der Rumpf wächst in Hüllenbauweise um Schablonen herum. Spanten werden erst zum Schluss passend eingearbeitet." Wie früher werden die mit Nut und Feder verbundenen Planken mit Holzpech abgedichtet. Durch den Schablonenbau konnten die Römer ihre Kriegsschiffe in größeren Stückzahlen anfertigen lassen.
Bevor er 2003 an die Hamburger Uni kam, war Schäfer an der Uni Regensburg tätig. Vor 14 Jahren waren beim Kastell von Oberstimm, im Uferschlick der Donau nahe Ingolstadt, Schiffswracks aus der Römerzeit gefunden worden. Sie waren so gut erhalten, dass sie nun als Vorlage für Nachbauten dienen. In den Jahren 2005 und 2006 war Schäfer mit Studenten bereits mit einem Galeeren-Nachbau im Ruderbetrieb und unter Segel auf der Donau und dem Nebenfluss Naab zu wissenschaftlichen Zwecken unterwegs, um die Leistungsfähigkeit des mediterranen Leichtbaus zu testen. Schwerfällige, germanische Einbäume waren zu damaliger Zeit derartigen Schiffen deutlich unterlegen. Schäfer: "Für die Testfahrten mit unserem neuen Schiff kommen modernste Messgeräte an Bord. Geschwindigkeit, Wendigkeit, Abdrift unter Segel und viele Detailmessungen stehen auf dem Programm. Dafür müssen wir mit dem Schiff voraussichtlich auf einem größeren See fahren."


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