Harburg: Sekten-Kritikerin Ursula Caberta beantwortete Fragen
"Scientology will eigene Schulen"
Über Tarnorganisationen versuche die Sekte zurzeit Einfluss auf Jugendliche zu bekommen, sagt Caberta. 120 Besucher hörten ihr gebannt zu.
Harburg. Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde, geht davon aus, dass die Scientology-Organisation bald Schulen in Deutschland eröffnen will. Das sinkende Ansehen des staatlichen Schulsystems biete den Nährboden dafür. "Bei dem Wahn derzeit, lauter Privatschulen zu eröffnen, wird es nicht mehr lange dauern", warnte Caberta (parteilos) am Mittwochabend bei einer CDU-Veranstaltung im Schützenhof Marmstorf. Das Interesse an der prominenten Scientology-Kritikerin war immens: 120 Besucher waren gekommen, darunter viele Nicht-Parteimitglieder.
Seit Erscheinen der Pisa-Studie (internationaler Vergleich schulischer Leistungen), so Caberta, verzeichne Scientology Zuwächse bei ihren Internaten. Die umstrittene Organisation stehe für ein Weltbild, wonach Kinder wie Erwachsene behandelt würden. In Scientology-Eliteeinrichtungen in Dänemark oder England müssten bereits Kinder körperlich schwere Arbeiten verrichten. Scientologen würden im internen Sprachgebrauch Nicht-Mitglieder verachtend als "rohes Fleisch" bezeichnen.
Scientology versucht offenbar zurzeit, über Tarnorganisationen junge Menschen in ihren Einflusskreis zu ziehen. Die Arbeitsgruppe Scientology der Innenbehörde warnte Ende September vor der "Foundation for a drug-free World", die an Hamburger Jugendeinrichtungen Material zur Drogenaufklärung versandt hatte. Daneben, berichtete Caberta, laufe die Kampagne "Youth for human rights": Scientology wolle so politisch interessierte junge Leute mit dem Thema Menschenrechte fangen.
In Deutschland gebe es genug zu tun, den Einfluss der Scientologen auf Staat und Gesellschaft einzudämmen. Scientology, warnte Caberta, habe einen Fuß in der Tür des Bundestages. Strategie sei es, Gesetze zu verhindern, die der Organisation schaden könnten. Ursula Caberta kritisierte, dass der Enquete-Bericht "Scientology" des Deutschen Bundestages demnächst zehn Jahre alt werde, aber noch "keine Handlungsempfehlung umgesetzt" worden sei. Hamburgs Innensenator Udo Nagel hat sich für ein Verbot von Scientology ausgesprochen.
Aktivitäten von Scientologen im Süderelbe-Raum seien Caberta zurzeit allerdings nicht bekannt.


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