Amtsgericht: Falsche Anschuldigung
Verlobte wollte Angeklagtem nur eins auswischen
HARBURG. Mein Verlobter hat mir 2000 Euro gestohlen", beschuldigte Christina T. (22) ihren Lebenspartner auf der Harburger Polizeiwache. Das Geld habe sich in einem Kopfkissenbezug befunden, jetzt sei es weg. Nur ihr Verlobter komme als Dieb in Frage. Die Beamten nahmen die Anzeige auf, jetzt wurde gegen Andre L. (33) vor dem Amtsgericht Harburg verhandelt.
"Alles dummes Zeug", sagte L. nach der Verlesung der Anklageschrift. "Als geduldete Asylbewerberin ohne Arbeitsplatz hatte meine Verlobte gar kein Geld, ich hätte ihr also auch nichts klauen können." Es habe immer wieder Streit gegeben, unter anderem um das Sorgerecht für den gemeinsamen zweijährigen Sohn, deshalb habe Christina ihm wohl eins auswischen wollen.
Nun wurde Christina als Zeugin in den Saal gerufen. Zunächst wollte Amtsrichter Bernd Kruse wissen, ob man denn überhaupt noch verlobt sei, dann nämlich könne sie die Aussage verweigern. Ja, doch, so die Zeugin. Andre L. hatte zuvor das Gegenteil behauptet. Ob es denn stimme, dass bei ihr gar kein Geld vorhanden gewesen sei, wollte der Richter weiter wissen. "Nur das, was Andre mir als Haushaltsgeld gegeben hat", sagte Christina. Ansonsten wolle sie sich zu den Vor- würfen jetzt nicht mehr äußern.
Das Plädoyer der Staatsanwältin war kurz. Andre L. sei unschuldig und freizusprechen. So lautete auch das Urteil, Christina musste sich aber vorher noch einige ernste Worte des Richters anhören: "So etwas ist kein Spaß, nur aus Wut oder Rache darf man niemanden auf die Anklagebank bringen, sonst riskiert man selbst eine Bestrafung." Diesmal kam sie aber noch einmal davon.


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