Römerzeit: Kriegsschiff soll im Mai 2008 fertig sein
Probefahrt im Binnenhafen
Auf der Harburger Werft des Beschäftigungsträgers "Jugend in Arbeit" wächst der originalgetreue Nachbau eines römischen Kriegsschiffs heran.
Harburg. Als vor rund 2000 Jahren, zu Beginn unserer Zeitrechnung, römische Legionen durch Germanien zogen, ließen sie auch hölzerne Kriegsschiffe bauen, um über Flüsse fahren zu können. Vor 13 Jahren beim Kastell von Oberstimm, im Uferschlick der Donau nahe Ingolstadt, gefundene Schiffswracks aus der Römerzeit waren von so guter Qualität, dass sie nun als Vorlage für Nachbauten dienen.
Dr. Christoph Schäfer (45), Professor für Alte Geschichte an der Uni Hamburg, ist mit dem Thema Römerschiffe fest verwurzelt, war bis 2003 an der Uni Regensburg tätig, hat 2005 und 2006 bereits zusammen mit Studenten einen Galeeren-Nachbau im Ruderbetrieb und unter Segel auf Donau und dem Nebenfluss Naab wissenschaftlich untersucht und dabei die Leistungsfähigkeit des mediterranen Leichtbauschiffs kennengelernt, das germanischen Einbäumen zu damaliger Zeit weit überlegen war.
Nun sind Schäfer und seine Studenten der Hamburger Uni regelmäßig in Harburg auf der Werft des Beschäftigungsträgers "Jugend in Arbeit" am Lotsestieg anzutreffen, wo in enger Kooperation mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe ein Fluss-Kriegsschiff aus dem ersten Jahrhundert nachgebaut wird. Baukosten etwa 230 000 Euro. Im Mai kommenden Jahres soll es fertiggestellt sein. Zum Harburger Binnenhafenfest wollen 20 Studenten im Gewand römischer Legionäre damit durchs Wasser rudern.
Noch ist der hölzerne Schiffsrumpf ein Fragment aus Kiel und einzelnen Planken. Der Rumpf wächst um Schablonen herum. Spanten werden erst zum Schluss passend eingearbeitet. Wie früher wird Holzpech zum Abdichten verwendet. Professor Schäfer spricht von einer "Hüllenbauweise". Schiffsrümpfe konnten damals nach den Schablonen in größerer Stückzahl hergestellt werden. Menschen standen unter Arbeitsbefehl, eingewiesen in die Arbeit mit Handwerkszeug wie Hobel, Säge, Stecheisen, Hammer und Bohrer. Heute bauen mit Hilfe elektrischer Maschinen: Studentischer Teamleiter Gerrit Wagener, 16 Studenten und vier Lehrlinge unter Anleitung von Bootsbaumeister Matthias Helterhoff und Gesellin Carolin Groß.
Das Schiff - ein Name wird noch gesucht - soll im nächsten Jahr auf Donau, Rhein, Lippe, Ems und Weser und 20 Städten auf die Ausstellung im Jahr 2009 "Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht" in Haltern, Kalkriese und Detmold aufmerksam machen.


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