Jesteburg: Staatsanwalt ermittelt gegen Bauamtsleiter
Korruptionsverdacht im Rathaus
Friedrich Pflughoft hat ohne Wissen des Gemeinderates den Auftrag einer Hamburger Flächenreinigungsfirma verlängert. Jetzt kam die Kripo.
Jesteburg. Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt gegen den Bauamtsleiter der Samtgemeinde Jesteburg, Friedrich Pflughoft, wegen Bestechlichkeit. Ein Disziplinarverfahren gegen Pflughoft, das die Samtgemeinde kurz vor Bekanntwerden der Ermittlungen der Kripo angestrebt hatte, ruht nun erst einmal. Man müsse natürlich abwarten, so Samtgemeindebürgermeister Hans-Heinrich Höper, was die Ermittlungen in Verden ergeben. Höper bestätigte, dass die Kripo am vergangenen Mittwoch Büroräume im Rathaus durchsucht hat. Er bestätigte auch, dass die Beamten gegen seinen Mitarbeiter Pflughoft ermitteln. Einzelheiten wollte Pflughofts Dienstherr allerdings nicht mitteilen. Pflughoft, der sich letzte Woche im Urlaub befand, hat seinen Urlaub um eine Woche verlängert.
Nach Informationen der Harburger Rundschau soll Pflughoft, der als Mitarbeiter der Samtgemeinde auch für das Bauamt der Gemeinde Jesteburg zuständig ist, ohne Wissen des Gemeinderates einen "Nachtragsauftrag" zur Schneereinigung an eine Hamburger Flächenreinigungsfirma über rund 15 000 Euro erteilt haben. Für die Gemeinde hatte er nur den ersten Auftrag über rund 6000 Euro vergeben. Offiziell habe der Rat nichts davon gewusst, dass der Auftrag von Pflughoft verlängert und die Auftragssumme mehr als verdoppelt worden wurde, hieß es gestern aus dem Rathaus.
Der Samtgemeindeausschuss beschloss ein Disziplinarverfahren gegen den Verwaltungsmann. Jetzt ermittelt die Zentralstelle für Korruption der Staatsanwaltschaft, wie Sprecherin Silke Streichsbier bestätigte. "So viel mehr Schnee können die wirklich nicht gefegt haben bei dem letzten milden Winter, dass eine Verdoppelung der Auftragssumme drin gewesen wäre", sagte ein Ratsmitglied.
Mittwochvormittag gegen 11 Uhr durchsuchte die Verdener Kripo auch die Büroräume der Bendestorfer Gemeindeverwaltung. Dort arbeitete Pflughoft von 1996 bis 2001 als Gemeindedirektor. Dass die Kripo auch in Bendestorf nach Beweismaterial suchte, dürfte darin begründet sein, dass Pflughoft schon in seiner Zeit als Gemeindedirektor auffiel. "Seine Art, mit den Bürgern umzugehen, gefiel uns überhaupt nicht. Er hatte so seine Lieblinge, die alles von ihm bekommen konnten. Andere hat er von oben herab behandelt. Deswegen haben wir darauf gedrängt, ihn loszuwerden", sagt Bendestorfs Bürgermeister Bernd Wegener von der Bendestorfer Wählergemeinschaft, der Pflughoft als "unausgeglichene Natur" beschreibt.
Damit nicht genug. Während Pflughofts Amtszeit in Bendestorf, so ein Verwaltungsmitarbeiter, seien "auffallend viele Bauaufträge" an die Buchholzer Baufirma L. ergangen. Das sei hier "sauer aufgestoßen". Wegeners Jesteburger Kollege, Bürgermeister Udo Heitmann (SPD), selbst Polizeibeamter von Beruf, sagte auf Nachfrage der Harburger Rundschau: "Bevor sich die Kripo einen Durchsuchungsbefehl vom Gericht unterschreiben lässt, muss ihr Verdacht schon gut begründet sein."


Branchenbuch Hamburg
So kommen Sie voran
Das Rätsel des Tages

100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook





