Harburg: Professoren und Wirtschaft loben das bisherige Modell
TUHH: Kampf ums HWI-Studium
Wissenschaftssenator Jörg Dräger will den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen abschaffen - Studenten protestieren.
Harburg. Die Resonanz in der freien Wirtschaft auf den Hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen (HWI), der auch an der Technischen Universität Harburg (TUHH) studiert wird, ist enorm - enorm positiv. "Wir rekrutieren gern HWI-ler, weil sie neben einer qualitativ hochwertigen und breiten Ausbildung ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Selbstorganisation, sowie Streß- und Frustrationstoleranz mitbringen. Dies ist meines Erachtens im direkten Zusammenhang mit dem Dreisäulenmodell des HWI zu sehen, da das Modell diese Eigenschaften fordert und fördert", sagt Christian Deckert, Mitarbeiter der Unternehmensberatung Roland Berger. Viel Lob kommt auch von Firmen wie BMW, Still und Foseco.
Doch dieses aus Sicht der Wirtschaft bewährte "Dreisäulenmodell" - die 1100 HWI-Studenten studieren an der TUHH, an der Uni Hamburg und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) - steht vor dem Aus: Wissenschaftssenator Jörg Dräger will ab Wintersemester 2007/08 zwei unterschiedliche Studiengänge anbieten: Ein paralleles Ingenieur- und Wirtschaftsstudium an Uni Hamburg und HAW für jährlich 150 Studienanfänger. Und ein Aufbaustudium an der TUHH für 50 Studenten pro Jahr: Erst sollen die Studenten einen Bachelor in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach machen und danach an der TUHH in vier Semestern ein Master-Studium in Betriebswirtschaftslehre absolvieren.
Die HWI-Studenten laufen Sturm gegen das geplante Modell: "Hier soll ein bewährter und etablierter Studiengang zerschlagen werden. 99 Prozent unserer Kommilitonen wollen das alte Modell", sagen die Studenten Marcus Putz (19), Clemens Aipperspach (25), Julika Bleil (25) und Sören Eriksen (23). Auch die Gemeinsame Kommission von Professoren der drei Hochschulen hat sich einstimmig für die Fortführung des Studiengangs ausgesprochen.
Ein Argument der Studenten und Professoren: Im etablierten Ranking der Zeitschrift "karriere" (Handelsblatt) hat der HWI als einziger Hamburger ingeneurwissenschaftlicher Studiengang einen Platz unter die Top Ten geschafft: Platz 5. Senator Dräger sagt indes, die HWI-Studienerfolgsquote läge mit "30 Prozent zu niedrig" - die Studenten kontern, sie läge "bei knapp 40 Prozent und damit über der Quote von ingenieurswissenschaftlichen Studiengängen".
Die aus Sicht des Senators "zu hohe Studienzeit von 13 bis 14 Semestern" - die Studenten sprechen von "12,6 Semestern" - begründen die Studenten mit "deutlich längeren Praktika im In- und Ausland". Der Appell der Studenten lautet deshalb: "Never change a winning team".


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