Sozialfall Altländer Viertel
AUSGERECHNET Die Stadt Stade hat aufgelistet, wie viel Sozialhilfeempfänger in dem Problem-Stadtteil wohnen: Es sind 43 Prozent.
Stade. Das Altländer Viertel in Stade kommt nicht aus den Schlagzeilen. Eine Massenschlägerei, an der aktiv oder als Zuschauer 200 Türken und Libanesen beteiligt waren, hatte Anfang August die ehemalige Neue-Heimat Siedlung ebenso wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, wie zwei gescheiterte Versuche der Kieler Landesbank, für 314 der rund 800 Wohnungen im Stadtteil einen neuen Besitzer zu finden. Der dritte Zwangsversteigerungstermin ist am Donnerstag, 5. September im Stader Amtsgericht. Das Stader Sozialamt hat jetzt den Versuch unternommen, die sozialen Verhältnisse in der Trabantenstadt in Zahlen zu dokumentierten. "Mit Hilfe dieses Zahlengerüsts können wir in Zukunft eine Besserung der Verhältnisse ablesen", sagte Sozialamtsleiter Dede während einer Sitzung des Stadtteil-Forums Altländer Viertel. Derzeit gibt es eine Vielzahl von Projekten, die besonders die Lage von jungen Menschen verbessern sollen. Aus dem Programm Soziale Stadt fließen Millionen in den Stadtteil. Die Statistik zeigt, dass es noch ein weiter Weg ist, bis das Altländer Viertel ein normaler Stadtteil sein kann. Der Anteil der Sozialhilfe-Empfänger der dort lebenden Menschen ist sehr hoch. In Stade gibt es 46 000 Einwohner, davon bekommen 4646 Sozialhilfe. Im Altländer Viertel leben 1800 Menschen, davon sind 851 Sozialhilfe-Empfänger. Das heißt, 43 Prozent der Einwohner des Altländer Viertel bekommen Sozialhilfe. Wenn man berücksichtigt, dass die amtliche Statistik die an das Altländer Viertel angrenzenden Reihenhaussiedlungen, zum Beispiel in der Hohenfriedberger Straße berücksichtigt, ist zu ermessen, dass die Probleme im eigentlichen Kerngebiet rund um die Breslauer Straße und den Schlesier Damm noch größer sind, als es die offiziellen Zahlen verraten. Der Anteil der ausländischen Mitbürger ist im Altländer Viertel deutlich höher als im Rest der Stadt. In Stade leben rund 2900, davon wiederum fast 700 im Altländer Viertel und über die Hälfte von ihnen bekommt Sozialhilfe. Vor diesem Hintergrund sind die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Investor, der sich im Viertel engagieren will, nachvollziehbar. Neben den sozialen gibt es auch rechtliche Probleme beim Verkauf. Die Häuser sind auf Erbbaurechtsgelände entstanden. Die Stadt Stade plant einen Teil der maroden Bauten abzureißen und durch Ein- und Mehrfamilienhäuser zu ersetzen. Konkret sollen die Hochhäuser Schlesierdamm 12 bis 14 und 16 bis 22 mit 144 Wohnungen den Baggern zum Opfer fallen. Auch die benachbarten Schrebergärten sollen bebaut werden. Nach neuen Informationen der Stadtteilbeauftragten Margret Howe ist die Kieler Landesbank jetzt auch bereit, die 314 Wohnungen stückweise zu verkaufen. Bisher waren sie nur in einem Block angeboten worden. Am kommenden Donnerstag ist im Amtsgericht die dritte Runde der Zwangsversteigerung.


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