Kinderhilfe aus Jesteburg
Jubiläum: Vor 25 Jahren gegründet. Der Verein Kinderhilfe für Kolumbien unterstützt mit Spendengeld junge Menschen in dem Land, zahlt Schule, Lehre, schickt Pakete.
Jesteburg/Popayan. Als ihre Mutter mit ihr im vierten Monat schwanger war, ertrank ihr Vater im Fluß. Der Vater von Angie Carolina Mendez Achinte (heute 10) war 22 Jahre jung und arbeitete als Schuhputzer. Er hatte zu viel getrunken und wurde von der Strömung fortgeschwemmt. Angie Carolinas Mutter ist drogenabhängig. Sie inhaliert Klebstoff und raucht Marihuana. In der kolumbianischen Stadt Popayan wird die Mutter als "Desechable" - zu Deutsch: "Ausschuss" - bezeichnet und lebt mit anderen Drogenabhängigen unter einer Brücke.
Deshalb leben Angie Carolina und ihr Bruder Yeferson Alexander heute bei ihren Großeltern in einer Dreizimmerunterkunft - gemeinsam mit Onkel und Tanten und deren Kindern. Der Großvater verdient als Lastenträger 35 Euro im Monat und hat Magenkrebs. "Grundsätzlich ist das Haus in schlechtem Zustand und sehr kalt. Und das Schlimmste ist, dass es in einem sehr problematischen Viertel der Stadt liegt, wo Drogen, Diebstähle und Kriminalität den Alltag bestimmen", schreibt eine Sozialarbeiterin.
Doch Angie Carolina ist ein wenig Glück im Unglück widerfahren. Sie wird mit monatlich 30 Euro von deutschen Spendern unterstützt. Die Hilfe kommt vom Jesteburger Verein Kinderhilfe für Kolumbien, der jetzt 25jähriges Bestehen feiert. Am Sonntag, 17. September stellt sich der Verein von 11 bis 17 Uhr im Heimathaus Jesteburg vor, ab 14 Uhr gibt die Vereinsvorsitzende Ute Sonntag (61) Informationen in Wort und Bild.
30 Euro sind für kolumbianische Verhältnisse eine Menge Geld - das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 2157 Dollar im Jahr - Angie Carolinas Großvater muss mit 35 Euro monatlich vier Personen ernähren. Mit den 30 Euro finanziert der Verein Angie Carolinas Schuluniform und ihre medizinische Versorgung. Und sie kann außerhalb der Schule in einen Hort des Vereins gehen, wo sie Frühstück und Mittagessen bekommt, spielt, Hausaufgaben macht und am Musikunterricht und an Ausflügen teilnimmt.
"Wir machen in Deutschland alles ehrenamtlich", sagt Vereinsvorsitzende Ute Sonntag. "Bis auf das Porto für unsere Spendenpakete nach Kolumbien geben wir in Deutschland kein Spendengeld aus." 120 000 Euro sammelt die Frau jährlich ein. Damit kann sie in Kolumbien 17 Sozialarbeiterinnen und Erzieherinnen sowie eine Lehrerin finanzieren. Insgesamt unterstützt die Kinderhilfe für Kolumbien (Volksbank Nordheide, BLZ: 240 603 00, Konto: 300 333 700) rund 500 Kinder: 100 Schulkinder in vier Horten in Popayan, Pasto und Medellin, 60 Kleinkinder in zwei Krippen in Popayan und 350 Patenkinder. Davon lernen zehn in einer Bäckerei, weitere zehn in einer Schneiderei. Und 50 Patenkinder besuchen die Schule für Indiokinder.
Urse-Bärbel Omonsky (63) hat bereits "drei Patenkinder durch die Schule gebracht". "Jasmin managt heute ein Hotel, ihre Schwester Leydi arbeitet als Physiotherapeutin, und Kelly ist gerade mit der Schule fertig geworden", sagt die Eppendorferin. "Die monatlich 30 Euro, die wir in die Patenschaften investiert haben, waren äußerst gut angelegtes Geld."
Vereinsvorsitzende Ute Sonntag war auf das Elend im 43,6 Millionen-Einwohnerland Kolumbien aufmerksam geworden, weil sie selbst zwei Mädchen aus Kolumbien adoptiert hatte. "Alle unsere Kinder kommen aus unvollständigen Familien, in denen es keinen Vater gibt oder niemals gab", sagt Ute Sonntag. "Die Mütter wurden als Kinder selbst mißhandelt und oft missbraucht. Anstatt in die Schule zu gehen mussten sie frühzeitig für ihr Überleben arbeiten - meist sechs Tage die Woche bis zu zwölf Stunden täglich. Da sie selten genug Geld fürs Leben verdienen, können sie die Kinder weder zur Schule schicken noch betreuen lassen."


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