Harburg & Umland
12.12.05

Der Plan: Kohlekraftwerk für Stade

Energie: Investor gefunden ? Belgischer Energiekonzern Electrabel hat sich 22-Hektar- Fläche in Bützfleth bis Ende 2007 reservieren lassen.

Von Thomas Sulzyc

Stade. Nach der Schließung des Kernkraftwerkes im November 2003 hat Stade offenbar beste Chancen, wieder Standort zur Energieerzeugung zu werden. Der belgische Energiekonzern Electrabel prüft den Bau eines Steinkohle-Kraftwerkes mit einer Leistung von 800 Megawatt auf der 22 Hektar großen Erweiterungsfläche unmittelbar neben dem Hydro-Elbewerk in Stade-Bützfleth. Wie ernsthaft die Belgier den Standort Stade in Erwägung ziehen, zeigt, daß Electrabel mit der Hydro Aluminium Deutschland in einem Vertrag eine Reservierung der Fläche bis Ende 2007 vereinbart hat. Bis dahin soll die Entscheidung fallen.

Electrabel wird den Standort Stade bis zur Genehmigungsreife prüfen. Schätzungen zufolge wird das Unternehmen dafür deutlich mehr als eine Million Euro Planungskosten investieren. "Die Chancen stehen verdammt gut", meinte der SPD-Landtagsabgeordnete Erhard Wolfkühler aus Stade, bei der Hydro für die Vermarktung der Liegenschaften zuständig. "Sonst würden die sich nicht soviel Mühe damit geben."

Das erwartete Investitionvolumen für den Kraftwerksbau liegt bei 750 Millionen Euro. Damit Stade zum Zug kommt, muß das Land Niedersachsen voraussichtlich seinen Seehafen in Stade-Bützfleth um einen Anleger für Kohle erweitern. Wolfkühler schätzt die Kosten auf bis zu 40 Millionen Euro. 1,7 Millionen Tonnen Kohle im Jahr müßten für den Betrieb des 800-Megawatt-Kraftwerkes herangeschifft werden. Der Hafen in der jetzigen Form wird vermutlich diese Menge nicht abwickeln können. Zur Zeit werden im Bützflether Seehafen etwa vier Millionen Tonnen im Jahr, hauptsächlich Bauxit und Aluminiumoxid, umgesetzt.

70 bis 80 Arbeitsplätze, so Wolfkühler, würden im Kraftwerk entstehen. Weitere zehn im Hafen. Zusätzlich würden Handwerksunternehmen aus der Region von dem Kraftwerkbau profitieren. Sollte Stade den Zuschlag von Electrabel erhalten, könnte das Kraftwerk frühestens Ende 2011 Strom produzieren. Aus diesem Grund dürfte die Revitalisierung des Industriestandortes Stade für die 430 von der Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter des Hydro Aluminiumwerkes, das spätestens Ende 2006 geschlossen werden soll, allerdings zu spät kommen.

Der Bau des Kohlekraftwerkes würde nach Ansicht von Stades Stadtdirektor Dirk Hattendorff eine enorme Aufwertung des zuletzt angeschlagenen Industriestandortes Stade bedeuten. Das Kraftwerk, so Hattendorff, würde auch den Erhalt bestehender Betriebe sichern. Hintergrund: Ende 2011 sollen die Stromlieferungsverträge des Stader Dow-Werkes auslaufen. Vermutlich spekuliert Electrabel, mit der Dow ins Geschäft zu kommen. Die Stadt Stade wird schon im Januar das notwendige Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans einleiten, um ein positives Signal zu setzen. Nach dem gültigen Bebauungsplan von 1974 für das Erweiterungsgelände der Hydro ist ein Kraftwerksbau nicht gestattet. Geht alles glatt, könnte der Stadtrat den Bebauungsplan am 17. Juli 2006 beschließen.

Der Standort Stade biete gute Voraussetzungen für die Umsetzung der Erzeugungsstrategie der Electrabel in Europa, äußerte sich Erik von Scholz, Vorstandsvorsitzender der Electrabel Deutschland AG, vorsichtig optimistisch. Der Energiekonzern wird am heutigen Montag in Berlin die vertraglich vereinbarte Prüfung des Standortes Stade bekanntgeben. Die Electrabel-Gruppe plant, seine Stromerzeugung in ganz Europa von zur Zeit 29 000 Megawatt auf 35 000 Megatwatt auszudehnen. Electrabel ist nach eigenen Angaben eines der führenden Energieversorgungsunternehmen Europas und Marktführer in den Benelux-Staaten. Das Unternehmen drängt verstärkt auf den deutschen Markt, betreibt hier bislang aber nur zwei Kraftwerke im Saarland und in Gera.

Nach einer Studie der Boston Consulting Group erlebt Deutschland gerade einen Boom im Kraftwerksbau. Insgesamt plant die Branche der Energieversorger 23 Großkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20 000 Megawatt. Laut dieser Studie prüft Electrabel auch den Bau eines Kraftwerkes in Brunsbüttel.

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