Endlich - die Ernte-Maschine läuft
Landwirtschaft: Bauern nutzen die Sonnentage. Der Regen der vergangenen Wochen hat die Qualität des Getreides gedrückt. Das bedeutet Verlust.
Apensen. Seit Mittwoch läuft die Getreideernte wieder auf Hochtouren. Die Landwirte arbeiten unter Hochdruck bis spät in die Nacht. Wegen des anhaltenden Regenwetters waren die Erntearbeiten seit Mitte Juli nur schleppend vorangekommen und teilweise ganz zum Erliegen gekommen. Normalerweise ist das Getreide Mitte August längst eingefahren. "Die Nervenseile werden dünner", sagt Ralf Löhden, Abteilungsleiter Futtermittel und Getreide bei der Stader Saatzucht. Grund: Mit jedem Tag sehen die Bauern die Qualität ihres Getreides sinken - und ihre Einnahmen schwinden. "Der Weizen darf eigentlich gar nicht mehr stehen", erklärt Landwirt Dirk Ropers aus Apensen.
Die Ernte 2005 ist wie verflixt - die Bauern kämpfen mit mehreren Problemen: "Mähdrescher sind zur Zeit knapp", berichtet Bauer Ropers. Nur jeden zweiten Tag habe der Lohnunternehmer eine Maschine für ihn. "Alle Mähdrescher ausgebucht", heißt es auch beim Maschinenring Stade. Bis zu 80 Mähdrescher stehen nach Einschätzung von Maschinenring-Leiter Friedhelm Tönjes im Landkreis Stade zur Verfügung - der Maschinenring stellt 46 davon.
Etwa alle zwei Minuten fuhr am Donnerstag nachmittag ein Trecker voll Getreidekörnern beim Mischfutterwerk der Stader Saatzucht in Apensen vor. Ein ferngesteuerter überdimensionaler Staubsauger zieht zwei Proben - der Computer zeigt bei Bauer Ropers Weizen einen Feuchtigkeitsgehalt von 17 Prozent an. Erst ab einer Basisfeuchte von 14,5 Prozent gibt es den vollen Preis. Pro Hektar geernteten Getreides bedeutet das 140 Euro Verlust, hat Ropers schnell ausgerechnet. Er baut auf insgesamt 40 Hektar Getreide an, hatte am Donnerstag ein Viertel seiner Ernte eingefahren.
Die Stader Saatzucht ist der größte Abnehmer für Getreide im Landkreis Stade. Das genossenschaftlich organisierte Unternehmen ist auch im Landkreis Harburg und drei weiteren Landkreisen vertreten. 280 Tonnen Getreide pro Stunde kann allein das Mischfutterwerk in Apensen aufnehmen. Die Lagerkapazität liegt bei 25 000 Tonnen. Die Bauern liefern zur Zeit an, was die Mähdrescher hergeben. Für Standortleiter Carsten Schow und seine zehn Mitarbeiter endete der Arbeitstag seit vergangenen Mittwoch erst um ein Uhr nachts.
"Der Ertrag war am Ende gut. Aber die Qualität hat unter der Feuchtigkeit sehr gelitten", zieht Bauer Hans Alpers-Janke aus Nottensdorf eine Zwischenbilanz für seinen Betrieb. Der Qualitätsverlust kostet die Landwirte Bares. Neu ab diesem Jahr sind nämlich optische Kriterien für das abgelieferte Getreide. Niedrigere Qualitätsstufen führen zu Preisabzügen. Die höchste Stufe (eins), so Carsten Schow, erreiche in diesem Jahr keiner. Ab Qualitäststufe vier nimmt das Werk das Getreide nicht mehr an. Sogenanntes Lagergetreide, flachliegende Ähren auf dem Acker, sollen die Bauern gleich liegenlassen, rät Carsten Schow: "Am besten gleich auf dem Feld unterpflügen."
Trotz allem: Experte Ralf Löhden von der Stader Saatzucht erwartet eine "gut durchschnittliche" Ernte - kleiner als die sehr gute Ernte im Vorjahr. Vom Regen läßt sich Landwirt Ropers nicht mürbe machen: "Die Ernte reinbekommen haben wir noch jedes Jahr."


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