Alu-Werk Stade: Kaum Hoffnung
Fabrik dicht, Jobs weg. Bringt eine Beschäftigungsentwicklungsgesellschaft neue Arbeitsplätze für die Entlassenen?
Stade. Die unerwartet einberufene Belegschaftsversammlung am Donnerstag um 14 Uhr hatte die 420 Beschäftigten im Werk Stade der Hydro Aluminium Deutschland GmbH bereits stutzig gemacht. Die dann folgende Mitteilung der Geschäftsführung, das Werk solle laut Beschluß des Hydro Verwaltungsrats Ende kommenden Jahres geschlossen werden, sorgte dann für einen Schock. "Ich bin fassungslos", sagt Angelika van Sauten (54) aus Drochtersen, seit 27 Jahren als Laborantin im Unternehmen tätig, "ich habe wenig Hoffnung, nach einem Verlust des Arbeitsplatzes einen neuen Job zu finden."
Wie sie empfinden alle. Da nimmt sich auch der kaufmännische Leiter des Werks, Dr. Albert Boehlke, nicht aus. "Ob es für mich bei Hydro noch einen Platz geben wird, kann ich nicht abschätzen", sagt er. Die Lage sei schon öfter etwas wackelig gewesen, berichtet einer der Beschäftigten. 1973 sei das Werk von den Vereinigten Aluminium Werken VAW gebaut worden. Auch während der VAW-Zeit habe es wirtschaftlich schwierige Phasen gegeben. Vor zwei Jahren sei das Unternehmen vom norwegischen Konzern Norsk Hydro übernommen worden. Alfons Strupat (50) aus Drochtersen-Assel, seit 20 Jahren in der Gas-Reinigungsanlage des Stader Werks tätig: "Ich hatte gehofft, daß es unter Hydro weiter vorangeht, aber da habe ich mich getäuscht."
Andere Mitarbeiter schimpfen, die Norweger hätten die Alu-Werke in Deutschland, dazu zählen ein Werk in Neuss und eine 33prozentige Beteiligung an den Hamburger Aluminium Werken (HAW), nur gekauft, um sie nach kurzer Zeit platt zu machen. Doch die Norweger ziehen die hohen Strompreise in Deutschland als Argument für die empfohlene Schließung in Stade und Hamburg aus dem Hut. 40 Euro pro Megawattstunde seien laut Harald Nilsen, Leiter des Aluminium-Geschäftsfeldes bei Hydro, keine Basis mehr. Stromkosten machten 40 Prozent der Alu-Produktionskosten aus. Die Deregulierung des Strommarktes habe zu keiner Effizienzsteigerung geführt. Der Weltmarktpreis pro Megawattstunde liege bei 18 Euro. Die Betriebskosten im Werk Stade und bei HAW würden höher liegen als der Metallpreis, der 2006 und in den Folgejahren zu erzielen sei. Hydro beabsichtige, in zwei Ausbaustufen ein neues Werk im Emirat Katar zu errichten.
So sind die Aussichten auf Erhalt der Alu-Produktionsstandorte in Deutschland gering. Nach dem Stillegungsbeschluß des Verwaltungsrats wird jetzt auf die Zustimmung durch den Aufsichtsrat der Hydro Aluminium Deutschland gewartet. Den Mitarbeitern im Werk Stade wurde mitgeteilt, daß eine Beschäftigungsentwicklungsgesellschaft gegründet werden soll, die etwa 300 Arbeitsplätze in der Region schaffen soll. Betriebsratsvorsitzender Jörg Gabriel meint, daß die Gesellschaft den Weg zu neuen Jobs in der Metallverarbeitung oder der Logistik ebnen könne.
Die Stader Betriebsratsmitglieder fordern einen größeren zeitlich Spielraum. Um Konzepte entwerfen und prüfen zu können, seien mindestens drei Jahre erforderlich, meinte Gabriel. So lange müßten die Hütten-Mitarbeiter in der Beschäftigungsgesellschaft untergebracht werden. Darüber verhandle der Betriebsrat bereits mit der Norsk Hydro. Zu den Alternativen zählt Gabriel die Verarbeitung von Zinn auf dem Gelände. Denkbar sei auch ein Logistik-Standort für das benachbarte Hamburg. Stades Stadtdirektor Dirk Hattendorf will die Bemühungen der Betriebsräte unterstützen. Das Alu-Werk ist der viergrößte Arbeitgeber in der Stadt. Stades Arbeitslosenquote beträgt 11,1 Prozent.
Harburgs CDU-Bürgerschaftsabgeordneter Dr. Diethelm Stehr macht die rot-grüne Energiepolitik für die Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste verantwortlich. Stehr: "Der vom Bundesumweltminister Jürgen Trittin betriebene Atomausstieg und die von ihm gefeierte Stillegung des AKW Stade hat mit den beiden Alu Werken in Hamburg und Stade seine ersten beiden Opfer. Hier zeigt sich, daß Windenergie keine Alternative ist."


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