Streit um Welskopf-Tafel
Jetzt soll der Buxtehuder Stadtrat das Thema diskutieren
Buxtehude. Zum zweiten Mal hat der Buxtehuder Kulturausschuß ergebnislos über das Gedenken an den Widerstand gegen das NS-Regime in Buxtehude beraten. CDU und FDP lehnen strikt ab, daß irgendein Name auf der "Informationstafel" steht, deren Anbringung beim Museum am Stavenort Bürgermeister Jürgen Badur bereits im Oktober 2002 "als Privatperson" angeregt hatte. SPD und Grüne bestehen auf einer Darstellung der Lebensgeschichte von Rudolf Welskopf (1902-79), der zehn Jahre als "Hochverräter" und "Volksschädling" in Zuchthaus und Konzentrationslager verbrachte.
Welskopf sei "der für Buxtehude intensivste Fall von Widerstand" betonte Hans-Uwe Hansen (SPD). Ingrid Buttler (Grüne) wies als Lehrerin darauf hin, daß Geschichte ein Gesicht brauche, um vermittelt werden zu können. Eine solche Art der Erinnerung nannte Lorenz Hünnemeyer (CDU) "plakativ". Seine Fraktionskollegin Arnhild Biesenbach monierte, mit der Hervorhebung von Welskopf würden die anderen, die "stillen Widerstandskämpfer", von denen man nichts wisse, mißachtet. "Wenn wir den Unbekannten unrecht tun, weil wir die Bekannten ehren, dann könnten wir auch das Bundesverdienstkreuz abschaffen", hielt dem Hans-Uwe Hansen entgegen und nannte die CDU-Argumentation "pervers".
Auch der Kompromißvorschlag, den Text für das namenlose Gedenken mit der Vita von Welskopf zu kombinieren, fand bei CDU und FDP keine Zustimmung. Auf Antrag der Grünen wird die Angelegenheit nun nicht, wie zunächst vorgesehen, im Verwaltungsausschuß hinter verschlossenen Türen, sondern in einer öffentlichen Ratssitzung entschieden. Eine Einweihung der Tafel am 8. Mai, dem Gedenktag für das Ende des Dritten Reichs, kommt damit nicht mehr in Frage.
In der Nacht zu Freitag brachten junge Leute, die sich selbst als "Antifa" bezeichnen, am Museum eine "provisorische Gedenktafel" für Welskopf an. Ein "Bekennerschreiben" fordert das "Ende dieser polemisch geführten Debatte".


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