"Vom wahren Christenthum"
Ausstellung: Kirche und Museum zeigen Predigtbände, Erbauungs-, Gebets- und Gesangbücher aus dem Alten Land.
Jork. Die zehn früher zum Kirchenkreis Altes Land gehörenden Gemeinden der drei Meilen Alten Landes demonstrieren Gemeinsamkeit. Von 1652 bis 1945 gab es eine eigene Superintendentur. Jetzt gibt es zum zweiten Male eine gemeinsame Ausstellung im Museum Altes Land in Westerjork. 2003 wurden dort Bibeln aus Altländer Haushalten vorgestellt, die Fluten und zum Teil auch Brände überstanden hatten. Jetzt gibt es unter dem Titel "Vom wahren Christenthum" eine Schau mit Predigtbänden (sogenannten Postillen), Erbauungs-, Gebets- und Gesangbüchern. Sie stammen überwiegend aus Privatbesitz und geben, so Pastor Hans-Heinrich Tegtmeyer, Jork, "überraschende Einblicke in die Frömmigkeitsgeschichte des Alten Landes". Als die Pastorenehepaare Tegtmeyer und Roscher (damals Neuenfelde, heute Buxtehude) seinerzeit die Bibelausstellung vorbereiteten, waren sie "überrascht und überwältigt zugleich" von der Fülle alter Bibeln.
Beginnend mit einer Sterne-Bibel von 1634/1635 ergab sich eine lückenlose Folge von Bibeln bis heute. Angeboten wurden allerdings auch Bibeln, die sich bei genauerem Hinsehen als sogenannten Predigtpostillen herausstellten. Sie enthalten Predigten zu den Evangelien- und Epistellesungen des Kirchenjahres. Die Fülle der Bände, die außer Bibeln, Gebets- und Gesangbüchern erhalten sind, waren so beeindruckend, daß der Entschluß für eine zweite Ausstellung gefaßt wurde.
Die Predigtpostillen bieten einen guten Einblick in die Frömmigkeitsgeschichte der Region von Neuenfelde bis Twielenfleth seit dem Dreißigjährigen Krieg. Es gibt eine Reihe von Autoren, von denen eigentlich nur noch Martin Luther bekannt ist. Im Mittelpunkt der Jorker Ausstellung aber steht die des Erbauungstheologen und Celler Generalsuperintendenten Johann Arndt, der vor 450 Jahren geboren wurde.
Seine Schrift "Vom wahren Christenthum" ist das zentrale Erbauungsbuch der lutherischen Orthodoxie und in Altländer Haushalten in etlichen Exemplaren und Ausgaben vorhanden. Ebenso seine Evangelienpredigten, die in den Häusern denjenigen vorgelesen wurden, die nicht zum Sonntagsgottesdienst gehen konnten. Und das war oft nur die Hälfte der Familien und Mitarbeiter.
In der Ausstellung im Jorker Museum - sie wird vom 21. April bis 21. Mai gezeigt - wird außerdem an Adolphine Luise Cooper erinnert. Sie ist am 3. April 1849 in Oppeln geboren und ist in Borstel aufgewachsen. Ihr Vater war dort von 1857 bis 1882 als Pastor tätig, ihre Mutter war Pastorentochter aus Jork. Cooper, 1931 in Hildesheim gestorben, ist noch heute als ehemalige Leiterin und Begründerin der Hildesheimer Blindenmission bekannt.
Parallel zur Schau, die der Stader Sprengelbischof Manfred Horch am 21. April um 19 Uhr eröffnet, gibt es eine Reihe von Vorträgen (unter anderem mit dem früheren Winsener Superintendenten Helmuth Reske, dem Berliner Dr. Christian Bunners und Prof. Dr. Konrad Küster, Freiburg), außerdem Orgelkonzerte in mehreren Altländer Kirchen. Es erscheint auch ein Katalog zur Ausstellung.


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