Abrissbirne für St. Lukas
Auf dem Gelände der katholischen Kirche wird ein Geschäftshaus gebaut. Vom Verkaufserlös wird das Pfarrheim erweitert.
Fredenbeck. Nur noch ein paar Wochen werden der spitz aufragende Glockenturm und die recht schlichte Kirche hinter der hohen Hecke an der Ecke Bahnhofstraße/Am Walde in Fredenbeck stehen. Die Passanten blicken scheu darauf. Die Glocke im Turm läutet seit dem Jahreswechsel nicht mehr. Der Schaukasten an der Kirche St. Lukas ist verwaist, die Tür verschlossen. Die katholische Kirche in Fredenbeck ist - genau genommen - gar keine Kirche mehr. Erst 1968 wurde sie durch die Weihe zum Gotteshaus, jetzt ist sie wieder entweiht worden. Domkapitular Adolf Pohner ist im Auftrag des Hildesheimer Bischofs Josef Homeyer in Fredenbeck gewesen. Er hat ein Dekret verlesen.
Leicht gefallen ist es den Katholiken in Mulsum, Fredenbeck, Kutenholz und den Nachbarorten nicht, ihre auf den heiligen Lukas geweihte Kirche aufzugeben. Auch den Stader Katholiken nicht oder den Verantwortlichen in Hildesheim. Die Kirche in Fredenbeck ist die zweite im Bistum, die aufgegeben wurde. Der Bauunternehmer Ralf Uhding hat Gebäude und Grundstück gekauft. Es sollen ein Geschäftshaus mit Wohnungen auf dem Gelände entstehen. Baubeginn voraussichtlich schon im März.
Zur Gemeinde in Fredenbeck gehörten bisher rund 1000 Katholiken. Sonnabends um 17 Uhr gab es eine von Pfarrer Wolfgang Voges (Heilig-Kreuz-Gemeinde, Stade) gehaltene Messe. Der Besuch: rund 30 Mitglieder. "Die Messe war zuletzt die einzige Veranstaltung in Fredenbeck", sagt der Pfarrer, der auch St. Josef in Stade als weitere Predigtstätte hat. Er geht davon aus, dass die Katholiken aus dem Bereich Fredenbeck die zehn bis 15 Kilometer Weg zur Heilig-Geist-Kirche in Stade auf sich nehmen werden. Für diejenigen, die kein Auto haben, werden Fahrgemeinschaften gebildet.
Widerstand gegen die Aufgabe der Kirche gab es nicht wirklich, auch wenn sich viele Menschen der Gemeinde verbunden wissen. Die Kassenlage auch der katholischen Kirche ist prekär, die Zahl der Geistlichen wird nicht größer. Auch im Bistum Hildesheim wird ein Eckpunkte-Papier 2020 diskutiert. Es geht dabei um die "kurz- und mittelfristige Strukturplanung für die Diözese Hildesheim". Pfarrer Wolfgang Voges ist der Ansicht, dass der Verkauf des Kirchengrundstücks und die Schließung von St. Lukas ganz bestimmt nicht der letzte Schritt in dieser Richtung war.
Die Glocke aus dem Turm soll nach Stade geholt werden. Was aus den bleiverglasten bunten Fenstern des Gotteshauses ("Vom Bistum wurden sie als nicht besonders schützenswert eingestuft") wird, steht nicht fest. "Vielleicht gibt es ja Interessenten dafür, damit sie nicht den Baggern zum Opfer fallen", sagt der Pfarrer. Fest steht, dass das Geld vom Verkauf in der Stader Kirchengemeinde verbleibt. Es ist für die Erweiterung des allzu engen Pfarrheimes vorgesehen. Eigentlich sollte in diesem Jahr mit dessen Bau begonnen werden. Doch jetzt ist - es ist noch Geld aus Hildesheim nötig - 2005 im Gespräch. Wolfgang Voges akzeptiert das. Wohl auch deshalb, weil 2004 ein anderes Bauvorhaben im Kreis Stade Berücksichtigung gefunden hat. "Dieses Jahr wird in Harsefeld gebaut", so der Stader Pfarrer. Doch schon jetzt ist das Geläut von St. Lukas verstummt.


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