Finnische Polizei stoppt Trucker an der A 1
Beamte aus Skandinavien waren zu Gast in Harburg
Skandinavische Polizisten zu Besuch in Harburg. V.l.: Erki Vikman, Roland Gildemeister, Jari Tiaimen und Jurki Laukkanen.
Foto: Michelle Kossel
Harburg. Hyvää Päivää, Liikkvasta Poliisista! - Guten Tag, Polizeikontrolle: Schwerguttransportfahrer aus Finnland staunten nicht schlecht, als ihr Landsmann, Detective Sergeant Jyrki Laukkanen, sie an der A 7 auf der Raststätte Harburger Berge stoppte und die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften überprüfte. "Die waren ganz schön überrascht und haben gefragt, ob ich sie überhaupt kontrollieren darf", sagt er lachend. Der Grund: 13 Polizeibeamte aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Estland und Finnland nahmen im Rahmen des EU-weiten so genannten C.A.S.H. (Connecting Authorities for Safer Heavy Goods Traffic in the Baltic Sea Region)-Projektes an der Trucker-Razzia im Hamburger Süden teil und informierten sich außerdem über die in Deutschland geltenden Gesetze für den Schwerlasttransport. Im Rahmen von C.A.S.H. sollen die Polizeibehörden der daran beteiligten Länder die Möglichkeit erhalten, die landesspezifischen Trainingsmethoden für Verkehrskontrollen kennen zu lernen. Denn in Europa sollen künftig die gleichen Richtlinien für den Schwerlastverkehr gelten.
Maßgeblich am Projekt beteiligt ist die Technische Universität Harburg. Am dortigen Institut für Logistik und Unternehmensführung werden die im Straßengüterverkehr auftretenden Gefahren analysiert.
Laukkanen und seine skandinavischen Kollegen waren mit Beamten der Wasserschutzpolizei im Einsatz - jeweils in ihren landesüblichen Uniformen, versteht sich. Die Kontrolle von Gefahrguttransporten gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. "Wir können von den Verfahrensweisen unserer skandinavischen Kollegen lernen und umgekehrt", sagt Roland Gildemeister. Der Erste Polizeihauptkommissar koordiniert die Aktivitäten des C.A.S.H.-Projekts in Hamburg. "Ich fand vor allen Dingen die Gespräche mit den Kollegen aus den anderen Ländern toll. So etwas habe ich in meinem Alltag nicht", sagt Laukkanen, der im Norden Finnlands, in Kuopio, seinen Dienst tut. Seine Kollegen Erkki Vikman und Jari Tiainen aus Helsinki nicken. "Das ist ein sehr sinnvolles Projekt."
Bei der Kontrolle auf dem Rastplatz treffen sie auf Probleme, die sie auch von ihrer Arbeit in Finnland kennen. 67 Trucker, ihre Fahrzeuge und die Ladung wurden überprüft. 28 Umweltvergehen und 20 Ordnungswidrigkeiten wurden geahndet, vier Fahrzeuge wurden kurzerhand aus dem Verkehr gezogen. "Einige Lkw-Fahrer sind stundenlang quer durch Skandinavien und Europa unterwegs, die sind einfach müde und werden dann unaufmerksam. Unfälle mit Gefahrgut-Trucks haben aufgrund der giftigen und explosiven Ladung immer schlimme Folgen", so Laukkanen, der über das hohe Lasteraufkommen auf den Straßen gestaunt hat. "Da ist es in Finnland sehr viel ruhiger. Es gibt auch nicht wirklich eine Rushhour mit stundenlangen Staus, wie die Hamburger es hier vor dem Elbtunnel täglich erleben." Vikman stimmt ihm zu. "Das ist noch nicht einmal in Helsinki so extrem." Außerdem gibt es in Finnland nicht so hohe Sicherheitsvorgaben für Gefahrguttransporte wie in Deutschland. "In Finnland dürfen die Trucker Tag und Nacht und an Sonntagen durchs Land fahren. Wir haben keine Auflagen", erklärt Vikman. Die Laster seien sehr viel größer als in Deutschland erlaubt. "60-Tonner mit sieben Achsen und 25 Metern Länge sind keine Seltenheit", sagt der Polizist aus Helsinki.
Deshalb sind Vikman und seine Kollegen nicht weiter erstaunt über einen Lkw, den die Autobahnpolizei Sittensen kürzlich aus dem Verkehr zog. Der hatte eine riesige Mülltonne geladen und blockierte damit den Baustellenbereich an der A 1. "Das wäre bei uns nicht so das Problem. Die Verkehrslage ist einfach entspannter.", so Vikman. Einzige Regel, allerdings für alle Verkehrsteilnehmer: "Fahrzeuge dürfen nur mit 40 Stundenkilometern durch die Innenstadt Helsinkis fahren."
Die finnischen Polizisten waren außerdem von dem abwechslungsreichen Aufgabengebiet der Wasserschutzpolizei beeindruckt. Denn die deutschen Kollegen kontrollieren mit ihren Schnellbooten auch die großen Containerschiffe, die im Hamburger Hafen liegen. So sind die Beamten der Wasserschutzpolizei in Harburg am Containerterminal Altenwerder unterwegs, um Ladung und Papiere zu checken. "Boote haben meist nur die Kollegen der lokalen Polizei", so Vikman. So, wie Jyrki Laukkannen. Denn sein Revier, die 90 000-Einwohner-Stadt-Kuopio, ist nicht nur ein Zentrum für Skispringer, sondern liegt am Kallavesi-See, ein großes Binnengewässer, das sehr viele Touristen anzieht. Laukkanen: "Da bin ich als Coast-Guard unterwegs." - Ein Job, den so manch Harburger Kollege auch gerne hätte.



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