Bildung: Volle Sporthalle bei der Informationsveranstaltung
Jesteburg will die Gesamtschule
Rund 500 Eltern aus der Gemeinde und den Orten der Nachbarschaft dokumentierten das hohe Interesse.
Jesteburg. "Was ist bitte genau der Unterschied zwischen einer kooperativen und einer integrierten Gesamtschule?" "Kann eine Gesamtschule überhaupt genau so viel Wissen vermitteln, wie ein Gymnasium?" Eine überwältigende Anzahl von interessierten Eltern war am Montagabend in die Sporthalle der Jesteburger Grundschule gekommen, um genau diese und viele andere Fragen zum Thema Gesamtschule zu klären.
Für 240 Besucher hatte die Jesteburger Schulinitiative am Nachmittag Stühlen aufgestellt, am Abend musste für mehr als doppelt so viele Eltern ein Sitzplatz gefunden werden. Seit Monaten wird über die Einführung von Gesamtschulen um Landkreis Harburg diskutiert. Durch eine Elternbefragung soll derzeit geklärt werden, ob eine solche Schule überhaupt gewünscht ist, und wenn ja, in welcher Gemeinde. Dass reges Interesse der Eltern besteht, ist deutlich spürbar. Doch kaum einer weiß, wie der komplizierte Fragebogen richtig auszufüllen ist, mit welchem Kreuzchen die gewünschte Schulform unterstützt wird.
Um für Aufklärung zu sorgen, stellten sich in Jesteburg sowohl leitende Pädagogen niedersächsischer Gesamtschulen, als auch Vertreter der Landesschulbehörde und des Landkreises den zahlreichen Fragen von Eltern.
Günter Moje, Schulleiter einer erfolgreichen Kooperativen Gesamtschule (KGS) bei Bremen, erklärte das System seiner Schule: "Im Prinzip sind bei uns Gymnasium, Haupt- und Realschule unter einem Dach. Jedoch werden einige Fächer wie Sport, Musik oder Kunst übergreifend unterrichtet, nur bei der Benotung wird nach Schulform unterschieden." Die Besonderheit läge bei der Durchlässigkeit innerhalb der Schulformen, ein Wechsel ist nach jedem Halbjahr möglich. Etwas anders verhält es sich im System der Integrierten Gesamtschule (IGS): Nach und nach wird hier zwischen den Leistungen der Schüler differenziert. Zunächst nur in den Hauptfächern, später auch in Nebenfächern wie Biologie oder Chemie.
Dass es an Zustimmung der Eltern nicht mangelt, machte die hohe Besucherzahl und der starke Applaus nach den Vorträgen der Referenten deutlich. Einige Hürden müssen dennoch überwunden werden: Um eine KSG zu verwirklichen, muss sichergestellt werden, dass in den kommenden 15 Jahren pro Jahrgang vier Klassen bestehen könnten. Bei einer IGS sind sogar fünf Klassen pro Jahrgang nötig.
"Wenn wir bedenken, dass das Einzugsgebiet einer Gesamtschule in Jesteburg weit über die Samtgemeindegrenze hinausgehen würde, dann haben wir eine Chance", so Karl-Heinz Gläser, Vertreter der Schulinitiative.
Die Verwirklichung des Projekts hängt nun von der Elternbefragung im Landkreis Harburg ab, bei der sich möglichst viele für einen Schulstandort Jesteburg aussprechen müssen.
Samtgemeindebürgermeister Hans-Heinrich Höher (CDU) versprach Unterstützung: "Wir haben bereits ein Grundstück für einen Neubau in Aussicht."


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