Junge Leute sollen nach Finkenwerder kommen
Konzept für den neuen "Wasserturm"
Wenn die Finkenwerder sagen, "wir gehen in den Wasserturm", dann weiß jeder Bescheid auf der Halbinsel: Der alte Wasserturm steht zwar schon lange nicht mehr, er wurde vor dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.
Finkenwerder. Aber es gibt ein paar Schritte vom alten Standort entfernt eine Musikkneipe, die an den Wasserturm erinnert: "to'n oolen Woterturm" - mitten in Finkenwerders Altstadt, im Steendiek 37.
Der derzeitige Betreiber, Jan Estner, gibt die Kneipe Ende März auf. "Die Miete war zu hoch, und wir dürfen nicht mehr Live-Musik und Küche machen, weil wir eine Raucherkneipe sind", sagt dessen Vater Rolf Estner. "Da 90 Prozent unserer Kunden rauchen, lohnt sich das Geschäft nicht mehr."
Aber es gibt einen jungen Mann in Finkenwerder, der an den "Wasserturm" glaubt und mit einem neuen Konzept die Finkenwerder in die Altstadt locken will: Lars Brandt (32). Er will aus der Raucherkneipe ein Steakhaus mit einer Cocktailbar machen und vor allem "die Jugend Finkenwerders ansprechen". "Die jungen Finkenwerder fahren zurzeit mit der Linie 150 nach Othmarschen und treffen sich im 'Louisiana' im UCI Kinowelt-Komplex. Oder sie fahren mit der Fährlinie 62 zu den St.-Pauli-Landungsbrücken und gehen auf den Kiez."
Auf diese Klientel hat es Lars Brandt vor allem abgesehen. Sie soll in der neuen Altstadt-Location Steaks vom Lavagrill und Pasta essen und dazu leckere Cocktails trinken - von Donnerstag bis Sonnabend soll es von 18 bis 20 Uhr eine "Happy Hour" geben. Aber auch Airbus-Manager und Familien sind willkommen.
Während Politiker und Beamte seit Jahren über die Aufwertung der Finkenwerder Altstadt reden - und sich derzeit über deren Finanzierung streiten (das Abendblatt berichtete) -, macht damit einer junger Finkenwerder einen Anfang am Steendiek, bevor neues Straßenpflaster gelegt wird und neue Fußwege gestaltet werden. Und der Anfang wird vielleicht seinen Namen tragen: "Brandts Anfang". "Ich glaube an die Zukunft der Finkenwerder Altstadt", sagt Lars Brandt, "und mit Steaks, Pasta und Cocktails stoße ich hier in eine Lücke. Fisch gibt es auf Finkenwerder schon reichlich und gut. Ich hoffe, dass noch andere Unternehmer meinem Beispiel folgen werden, damit die Leute wieder gerne durch den Steendiek spazieren gehen."
Lars Brandt hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt: Nachdem er sein Studium der Zahnmedizin an den Nagel gehängt hatte - Vater Gerhard ist Zahnarzt in Neuenfelde -, machte er im Landhaus Walter im Hamburger Stadtpark eine Ausbildung zum Restaurantfachmann und lernte auch noch den Beruf des Barmanns. Mittlerweile ist er dort stellvertretender Restaurantleiter.
Jetzt will er rund 100 000 Euro in die Hand nehmen und im Steendiek seinen lang gehegten Traum realisieren: Sein eigener Chef zu werden. Der Wasserturm soll "freundlicher und heller" werden, Onkel Carlo Westphahl, Tischler in Finkenwerder, wird einen neuen Tresen einbauen und auch sonst wird alles neu: Küche, Tische, Stühle und der Keller. "Sollte mir die Bank kein Geld geben", sagt Lars Brandt, "werde ich bei meinen Eltern einen Kredit aufnehmen."
Im Barbereich, so Brandts Plan, soll der Gast auch Fußballspiele zu sehen bekommen; es wird einen Mittagstisch geben und die Location soll auch Ort für Betriebsfeiern und Feste werden.
"Wichtig ist vor allem, dass ich in meinem Laden viel Präsenz zeige", sagt der Jungunternehmer, "denn die Finkenwerder schätzen es, persönlich begrüßt zu werden, vor allem von jemandem, der aus Finkenwerder kommt."
Und vielleicht, sagt Lars Brandt, schlafe er ja noch mal über seinen "Anfang" und belässt den Namen des Ladens doch fast so wie er ist, nur auf Hochdeutsch: "Zum Finkenwerder Wasserturm".


Branchenbuch Hamburg
So kommen Sie voran
Das Rätsel des Tages

100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook





