Umfrage: Wie die Menschen die Aussichten für ihren Job beurteilen
Nur nicht immer so schwarzmalen
Vor der großen Wirtschaftskrise - die meisten Befragten sehen keinen Grund zur Panik.
Harburg/Lüneburg/Stade. Das Jahr 2009 ist gerade einen Tag alt, doch schon jetzt gilt es als das "Krisenjahr" überhaupt. Wird die Wirtschaftskrise wirklich so schlimm? Werden bankrotte Kreditanstalten und angeschlagene Großkonzerne noch mehr Arbeitsplätze abbauen? Wie steht es in Harburg, Lüneburg, Stade und Buxtehude mit der Existenzangst der Bürger? Wir haben uns umgehört, ob die Angst um den Job umgeht.
Stefan Meyer (31) macht sich wenig Sorgen darum, seine Arbeit zu verlieren. Er neige nicht zu Panikattacken, sagt er. "Sollte ich meinen Arbeitsplatz verlieren wäre das natürlich nicht schön. Ich bin aber jung und flexibel genug und kann schnell etwas Neues finden." Er kenne das Spielchen schon, sagt Meyer, lange arbeitslos sei er nie gewesen.
Ähnlich sieht das Jessica Volland (23). Wie Stefan Meyer schätzt sie ihren Arbeitsplatz als sicher ein. Außerdem ist sich die Harburgerin sicher, dass fleißige Arbeitnehmer keine Probleme haben werden, einen neuen Job zu bekommen.
Kritischer sieht die Wilhelmsburgerin Katrin R. die Beschäftigungssituation. Sie habe unendlich viele Bewerbungen geschrieben und erst kürzlich Glück gehabt. "Ich freue mich, endlich Arbeit zu haben, bin aber auch besorgt", sagt sie. Der jungen Frau ist bewusst, dass neue Mitarbeiter bei Rationalisierungen als erste gehen müssen.
"2009 wird ein kritisches Jahr für Arbeitnehmer", da ist sich auch Oliver Pahl (28) sicher. Dies befürchte sogar sein Chef, fügt er an. Er selber habe trotzdem wenig Angst seine Arbeitsstelle zu verlieren. Und auch Thomas Wolenski (38) aus Harburg macht sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Bei ihm werde sogar weiterhin eingestellt, sagt er. "Sorgen bereitet mir aber der Umgang mit dem Wort Krisenjahr 2009". Es erzeuge eine Dynamik der Angst. "Wollen wir doch erst einmal abwarten", sagt er.
"Es wird sicherlich nicht einfacher im nächsten Jahr, aber das ist mir zu viel Schwarzmalerei", meint zum Beispiel Rolf Breyer aus Kirchgellern. "Politiker sollten nicht noch Ängste schüren." Er wünscht sich stattdessen mehr Optimismus und mehr Kontinuität von den Regierenden. "Es fehlt an Politikern mit Rückgrat", schimpft er. Als Mitarbeiter in Altersteilzeit ist er nicht sehr bange vor einem möglichen Jobverlust.
Etwas anders sieht es bei Edelgart Manzke aus. Die Zahnmedizinische Verwaltungsangestellte aus Lüneburg glaubt zwar nicht, dass ihr die Arbeit ausgeht. "Zahnschmerzen haben die Leute schließlich immer", sagt sie schmunzelnd. Mit oder ohne Zahnschmerzen jammern die Deutschen aber auf einem immer noch sehr hohen Niveau, findet Ben Neitzke: "Uns geht es immer noch super. Wir leben in einem reichen Land und sind gut sozial abgesichert." Der Familienvater aus Neetze hat allerdings gut Lachen: Er kann für sich und seine Familie für das kommende Jahr überaus optimistisch sein. Denn Trotz demografischen Wandels bleibt sein Schulleiter-Posten absolut krisensicher. Nur Schulschließungen könnten da etwas etwas ändern.
Auch Sven Runinski (34) aus Kakerbeck ist optimistisch: "Ich mache mir keine Sorgen um die Wirtschaftskrise, obwohl ich selbstständig bin. Das ist viel Gerede und wird hochgespielt. Da ist nichts dran, im Gegenteil meine Auftragsbücher sind voll, und deshalb bin ich für mich und meine drei Angestellten optimistisch. Ich spezialisiere mich gerade auf Altbausanierung und darin liegt die Zukunft. Wenn man mit der Zeit geht und sich die richtige Nische sucht, passiert einem auch nichts."
Martina Moske (47) aus Oldendorf fürchtet angesichts der Wirtschaftskrise dennoch um seinen Arbeitsplatz. Ich habe nur einen befristeten Arbeitsvertrag als Medizinisch Technische Assistentin bei einem Futtermittelinstitut in Stade. Ob der verlängert wird, weiß ich nicht. Eigentlich bin ich optimistisch, aber wer weiß schon genau, wie sich die Krise noch entwickelt. Das wird auf jeden Fall ein unsicheres Jahr."


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