Neuwerk
Mit dem Trecker durchs Packeis aufs Festland
Die Verbindung zur Insel Neuwerk, Hamburgs Außenposten im Wattenmeer, ist wieder hergestellt: Traktoren kämpften sich durch das Eis zum Festland.
Trecker kämpfen sich von der Insel Neuwerk durch das aufgeschichtete Packeis nach Cuxhaven-Sahlenburg
Foto: Steffan Griebel
Tagelang war Neuwerk wegen des Packeises im Watt vom Festland abgeschnitten. Ab sofort kann die Hamburger Insel wieder versorgt werden. Neuwerker haben es geschafft, sich ihren Weg über die vereiste Elbe nach Cuxhaven-Sahlenburg mit ihren Traktoren zu bahnen. Für die Fahrt durch das Watt, die unter normalen Bedingungen eine halbe Stunde dauert, haben Steffan Griebel und seine Nachbarn vier Mal so lange benötigt.
Ebenfalls mit an Bord waren sechs Mitarbeiter der Neuwerker Stackmeisterei, einem Betrieb der Hamburg Port Authority (HPA). Sie arbeiten jeweils zehn Tage auf der Insel, dann „dürfen“ sie für vier Tage wieder auf das Festland. Durch die eingestellte Schiffsverbindung zwischen Neuwerk und dem Festland hatte sich der längst fällige Schichtwechsel für die sechs Männer allerdings um eine gute Woche verzögert. Auf einem Trecker-Anhänger trotzten die HPA-Mitarbeiter während der zwei Stunden langen Heimfahrt nun der Kälte.
Auf der acht Kilometer langen Strecke durch das Watt hatten sich Eisschollen zu unüberwindbaren Barrieren aufgeschichtet oder tiefe Löcher in den Sandboden gegraben, die von den Traktoren umfahren werden mussten. „Teilweise waren die Reiserbüsche, die den Weg durch das Watt markieren, nicht mehr vorhanden“, berichtet Traktorführer Griebel von der Tour. Um die Orientierung dennoch nicht zu verlieren, hat der 37-jährige Neuwerker seinen Trecker mit einem GPS-gestützten Navigationssystem ausgerüstet.
Am Duhner Abzweig vor Sahlenburg hatte das ablaufende Wasser scharfkantige Rinnsale im Eis zurückgelassen. „Wir mussten manchmal zu Fuß und mit einem Knüppel in der Hand vorweggehen, um das Eis abzuklopfen. So haben wir getestet, ob das Eis tatsächlich auch tragfähig ist. Sonst laufen wir Gefahr, dass die Traktoren beschädigt werden, wenn sie ins Eis brechen“, sagt Griebel.
Auf dem Rückweg der Tour sammelte der Traktoren-Konvoi Insel-Bewohner ein, die auf dem Festland unterwegs waren und zurück nach Hause wollten. Gleichzeitig wurde die Gelegenheit genutzt, sich auf dem Festland mit frischen Lebensmitteln einzudecken.
Das Thema Eis könnte sich für die Neuwerker bald erledigt haben. „Mit dem Westwind bekommen wir wärmeres Wetter und es wird tauen!“ prognostiziert Griebel.
(abendblatt.de)




