Das "Beast" in Hamburg

Die Verkehrsbehinderungen während des G20-Gipfels

Das „Beast“, die schwer gepanzerte Limousine des amerikanischen Präsidenten Trump, wird immer von zahlreichen
Fahrzeugen und Mitarbeitern des Secret Service geschützt

Foto: picture alliance

Das „Beast“, die schwer gepanzerte Limousine des amerikanischen Präsidenten Trump, wird immer von zahlreichen Fahrzeugen und Mitarbeitern des Secret Service geschützt

Die Staatsgäste werden in Pkw-Kolonnen durch Hamburg gefahren. Da bleibt für normale Autos kaum noch Platz.

Hamburg. Wenn das "Beast" (dt. "die Bestie" oder auch "Ungetüm") durch Hamburg rollt, steht die Stadt still. Welche Route die mächtige Limousine von US-Präsident Donald Trump nehmen wird, ist zwar topsecret. Mit Sicherheit aber wird der Konvoi während der zehnminütigen Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt einen imposanten Anblick bieten – allein, weil die Präsidentenlimousine nicht nur von Polizisten, sondern im Ausland üblicherweise von rund 40 großen, mit Agenten des Secret Service besetzten Fahrzeugen eskortiert wird.

Seinen Namen trägt das stählerne Schlachtschiff nicht zu Unrecht. Das Beast­ – eine neue Version ist gerade in der Erprobung – sieht aus wie ein Pkw, ist aber ein Panzer auf vier Rädern. Es verfügt unter anderem über Reifen mit Notlaufeigenschaften (das Auto rollt selbst nach massivem Beschuss auf Stahlringen weiter) sowie eine schuss- und bombensichere Karosserie. Die Panzerung besteht aus fast 13 Zentimeter dickem Stahl, Karbon, Kevlar und Titan, sie soll auch einem Angriff mit Panzerfäusten trotzen.

Tür der Limousine schwer wie die einer Boeing

Eine Tür der Limousine soll ähnlich schwer sein wie die einer Boeing 747. Außerdem an Bord: ein Granatwerfer, Tränengaskanonen, Nachtsichtgeräte. Sogar an einen Schutz vor Giftgasattacken haben die Konstrukteure gedacht: Der Bolide verfügt über eine eigene Sauerstoffversorgung und Blutkonserven, falls der Präsident doch schwer verletzt werden sollte. In der sieben Meter langen und bis zu acht Tonnen schweren Limousine brummt ein rund 600 PS starker Motor.

Trumps Konvoi ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich auf Hamburgs Straßen abspielen wird. Rund um die Sicherheitszonen Messehallen und Elbphilharmonie sind Staus programmiert. Darüber hinaus müssen etwa 35 Delegationen zwischen dem 6. und 8. Juli mehrfach durch die Stadt geleitet werden; betroffen sind vor allem die Strecken zwischen Flughafen und Innenstadt und zwischen den Hotels der Staatsgäste, der Messe und der Elbphilharmonie. Wer mit dem Auto zum Flughafen fahren will, sollte in diesem Zeitraum eine längere Anfahrt einplanen. Der ADAC befürchtet gar einen völligen Verkehrskollaps am 7. und 8. Juli.

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Sicher ist: Die Kolonnenfahrten werden ein Spektakel sein – und immer wieder für Verkehrsbehinderungen sorgen. Von Polizeiposten gesicherte Kreuzungen, möglicherweise ganze Straßenzüge werden für den Verkehr minutenlang gesperrt. Das bedeutet: Autos müssen halten, Fußgänger und Radfahrer werden die Straßen zeitweise nicht überqueren können. "Kolonnenfahrten haben grundsätzlich Vorrang im Straßenverkehr", sagt Polizeisprecher Ulf Wundrack. Den Anweisungen der Polizei sei "unbedingt" Folge zu leisten. Die Schutzmaßnahmen hängen wesentlich von der Sicherheitseinstufung der Staatsgäste ab. Delegationen mit geringerem Risiko könnten beispielsweise "nur" mit Motorrädern eskortiert werden.

42 Personen, darunter der russische Präsident Wladimir Putin, der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Donald Trump, erhalten hingegen die höchste Sicherheitseinstufung. Ihre Limousinen müssen frei und zügig zum Ziel gelangen, eine Straßenblockade wäre ein Albtraum für Polizei und Personenschützer. Vor derartigen Aktionen hat Innensenator Andy Grote (SPD) bereits gewarnt.

Auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen

Allen Hamburgern und Pendlern rät die Polizei dringend, von Donnerstagmittag 12 Uhr bis Sonnabend um 20 Uhr auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen und das eigene Auto zumindest für Fahrten in die Innenstadt stehen zu lassen. Die U- und S-Bahnen fahren regulär, auf den U-Bahn-Strecken werden zusätzliche Züge eingesetzt. Auch die S 1 von und zum Flughafen wird nachts verstärkt. Nur an der U-Bahn-Haltestelle Messehallen und an der S-Bahn-Station Sternschanze können einzelne Ausgänge kurzfristig gesperrt werden.

Die Busse aller Linien verkehren zwar grundsätzlich, doch es gibt Einschränkungen. So fahren sie nicht in die Innenstadt, sondern enden an U- und ­S-Bahn-Stationen am Rande des Rings 1, damit die Fahrgäste umsteigen können – die Metrobuslinie 4 beispielsweise am Schlump, die Metrobuslinie 5 bei Niendorf Markt. In der Innenstadt fahren auf den regulären Linien Shuttlebusse. Informationen bietet der HVV unter hvv.de und einer Hotline mit der Nummer 19449. Während des Gipfels ist die Innenstadt (auch der Rathausmarkt) frei zugänglich, selbst im Bereich Park Hyatt, wo Putin absteigt, sollen Fußgänger problemlos auf der Straßenseite passieren können.

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