Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Am ersten Advent werden in den 595 Gemeinden Nordelbiens für die nächsten sechs Jahre neue...
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Am ersten Advent werden in den 595 Gemeinden Nordelbiens für die nächsten sechs Jahre neue Kirchenvorstände gewählt. Mehr als 630 000 Wahlberechtigte sind in der Metropolregion Hamburg aufgerufen, rund 7000 Kirchenvorsteher neu zu wählen. Beteiligen können sich Gemeindemitglieder auch ohne Wahlkarte - sofern sie im Wählerverzeichnis erfasst, mindestens 16 Jahre alt sind und sich ausweisen können.
Für eine rege Wahlbeteiligung plädierte gestern Bischöfin Maria Jepsen im Miniaturwunderland, wo vor dem Michel-Modell eine Miniatur-Kirchenwahl aufgebaut worden war. "In unseren Gemeinden stellen ehrenamtliche Kirchenvorsteher die Weichen und setzen die Signale", erklärte Jepsen. "Nicht nur zum Wohl der Kirche, sondern zum Wohl der ganzen Stadt."
Kirchenvorstände entscheiden in verschiedenen Ausschüssen über die Gestaltung des Gemeindelebens, das Einstellen von Kirchenpersonal und die Verwaltung des Gemeindevermögens. Das Gremium besteht zu einem Drittel aus Pastoren, der Rest rekrutiert sich aus Ehrenamtlichen, die bei den Kirchenwahlen gewählt werden. Das Abendblatt stellt vier Kandidaten vor, die in den kommenden Jahren im Kirchenvorstand aktiv sein möchten:
Hella Dierking-Buggisch (48) kandidiert für die Gemeinde Blankenese. Dort hat sie sich in der Vergangenheit bereits für die evangelische Schule und den Familiengottesdienst engagiert. Jetzt kandidiert die selbstständige Geschäftsfrau und Mutter von drei Kindern zum ersten Mal für den Kirchenvorstand. "Das, was man als Schatz empfindet, sollte man auch unterstützen", sagt sie. Sie möchte sich in der Gemeinde für Menschen einsetzen, die sich weder im Familiengottesdienst noch im normalen Zehn-Uhr-Gottesdienst angesprochen fühlen. "Menschen in der Mitte ihres Lebens und pubertierende Jugendliche befinden sich in einer Zeit des Umbruchs", sagt Hella Dierking-Buggisch. "Sicher kommen nicht alle damit klar - warum sollte die Kirche ihnen nicht eine Seelenheimat sein?"
Bernd Meier (59) hat bereits 18 Jahre "Berufserfahrung" als Kirchenvorsteher in seiner Heimatgemeinde Maria Magdalenen am Osdorfer Born. In den kommenden sechs Jahren möchte der Diplom-Ingenieur dort die "Stadtteildiakonie" weiter ausbauen, wo Hartz IV-Empfänger Unterstützung bei Behördenangelegenheiten bekommen und Lebensmittel der Hamburger Tafel ausgegeben werden. "Hier lebt eine sehr gegensätzliche Bevölkerung mit vielen Migranten und hoher Arbeitslosigkeit - da muss die Kirche Flagge zeigen", sagt Bernd Meier, der zurzeit selbst erwerbslos ist und die Initiative Neuanfang (INA) gegründet hat, eine Selbsthilfegruppe älterer Arbeitsloser. Seine Erfahrungen - als Arbeitsloser und als Ratgeber - will Meier in die Stadtteildiakonie einbringen.
Eva Meer (33) kandidiert für die Gemeinde St. Georg/Borgfelde. Mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern lebt sie in der Nähe des Berliner Tors. Die junge Mutter, die früher in Eimsbüttel und im Schanzenviertel gelebt hat, fühlt sich ihrer Gemeinde verbunden: Sie hat in der Erlöserkirche geheiratet, ihre Tochter Charlotte (3) besucht die kirchliche Kita, und unter den Bewohnern des Stadtteils herrscht ein nachbarschaftliches Verhältnis. Vor ihrer Kandidatur hat Eva Meer sich ausführlich über die verschiedenen Ausschüsse des Kirchenvorstands informiert - sich selbst sieht die ausgebildete Tanz- und Theaterpädagogin ganz klar im Veranstaltungsbereich. "Ich habe schon viele Ideen, wie ich meine Erfahrungen einbringen kann", sagt sie. "Für den Weihnachtsgottesdienst etwa kann ich mir eine Art getanztes Krippenspiel vorstellen."
Ebenfalls für St. Georg/Borgfelde kandidiert Günter Seggermann (88). Er ist der älteste Hamburger Kirchenvorsteher und engagiert sich seit 1981 im Kirchenvorstand der Gemeinde, wo er seit einem Vierteljahrhundert als Organist tätig ist. 1989 wurde er zum Orgelbeauftragten der Hamburger Kulturbehörde ernannt - seitdem kümmert er sich um die 44 städtischen Orgeln. Klar, dass er sich auch in der nächsten Legislaturperiode für den Erhalt der beiden Kirchenorgeln und die Veranstaltung von Konzerten einsetzen will.











